Fehler Zielfernrohr Montage & Anzugsmomente

Montage Zielfernrohr Long Range Shooting • Fehler • Anzugsmomente

Hier geht es zum begleitenden Video:

 

Bei der Montage eines Zielfernrohres können einem einige Fehler unterlaufen, die zum Teil auch schwerwiegende Auswirkungen haben, bis hin zur Zerstörung des Zielfernrohres.

Nachfolgend führe ich einige Fehler auf und gebe Tipps zur Vermeidung. Zusätzlich habe ich einige Anzugsmomente angegeben, welche ich aus Anleitungen oder aus dem Schriftverkehr mit Herstellern habe. Natürlich ohne Gewähr!

Die Anzugsmomente stehen am Ende des Beitrags.

Wer weitere Anzugsmomente kennt, kann mir gerne per Mail schreiben. Ich benötige dafür einen Nachweis (Montageanleitung oder Mail des Herstellers).

 

Auswahl falscher Komponenten

Gleich zu Beginn kann man die größten Fehler machen, indem man die falschen Montagen kauft. Was sollte man beachten?

  • Kauf einer hochwertigen Montage, denn nur diese ist auch ausreichend genau und rund gefertigt, besitzt an den richtigen Stellen entsprechend dicke Wandungen und Verstärkungen und passt auch zu den hochwertigen Zielfernrohren vom Durchmesser her. Ungenau gefertigte Montagen führen zur Beschädigung des ZF oder zumindest zu Verformungen, welche sich im Betrieb bemerkbar machen, vor allem, wenn man an die Grenzbereiche des ZF stößt.
  • Die passende Montage ist eine stabile Brückenmontage, welche große Andruckflächen hat und welche so gefertigt ist, dass die Schraubverbindungen ein verziehen der Halbringe nicht zulassen.

Welche Montagen kann ich empfehlen?

  • Ich verwende nur noch SPUHR-Montagen in der richtigen Ausführung.
  • Montagen von Zero Compromise Optics und EraTac habe ich ebenfalls in gebrauch und bin damit zufrieden.

Nicht zu empfehlen sind Einzelringe und nach vorn versetzte Montagen, wenn dies überhaupt nicht notwendig ist. Außerdem muss darauf achten, dass zusätzliche Komponenten verbaut werden können, wenn sie benötigt werden, wie zum Beispiel Reddots und Libellen.

 

ZF ZCO527 mit Brückenmontage SPUHR:

 

Falsche Höhe der Montage

Vielfach wird ausgesagt, dass die Montage zu flach wie möglich gewählt werden soll. das mag für viele Schützen und Waffenkombinationen zutreffen, ist aber nicht allgemeingültig. Das Zielfernrohr muss vor allem dem Einsatzzweck der Waffe entsprechen, was dazu führt, dass man sich Gedanken über die Schießpositionen machen muss, in denen die Waffe vorrangig eingesetzt werden soll. Genau in diesen Positionen muss man einen vernünftigen Blick durch das ZF haben und sich nicht „krumm“ machen müssen, um entspannt zu schießen. Es kann also in vielen Fällen durchaus sein, dass das ZF nicht in der möglichen Tiefstposition montiert wird, da ein etwas höherer Durchblick deutlich bessere Schießpositionen für den Schützen ergibt. Ausschlaggebend hierbei ist die Physiognomie des Schützen.

 

Falsche Vorneigung der Montage

Die Vorneigung muss zum Einsatzzweck passen, damit das ZF vor allem in seinem mittleren Verstellbereich genutzt wird und die maximalen und kürzesten Distanzen einwandfrei geschossen werden können. Hierzu habe ich bereits einen eigenen Blogbeitrag mit Video erstellt.

 

Video zur Vorneigung:

 

Falsche Vorbereitung der Montage und des Zielfernrohres

Die Montage muss einwandfrei gesäubert und vollständig entfettet sein. Das Entfetten sollte mit Isopropanol durchgeführt werden, nachdem die Montage gesäubert wurde. Die Andruckflächen der Montage dürfen danach nicht mehr berührt werden. Für das Zielfernrohr gilt das ebenfalls, denn auch hier muss absolute Sauberkeit und Fettfreiheit gewährleistet werden.

 

Falsche zusätzliche Montagematerialien

Oft wird das verkleben und/oder der Einsatz von Gummizwischenlagen empfohlen. Bei genau gefertigten Montagen und genau gefertigten Zielfernrohren ist dies nicht zu empfehlen und widerspricht vollkommen der vorgesehenen Montage. Solche Empfehlungen stammen aus den Urzeiten der Zielfernrohrmontagen, als diese noch ungenau waren und auch die Zielfernrohre nicht dem heutigen Standard entsprachen. Gegebenenfalls wird beim Militär eine Verklebung vorgenommen, wenn bestimmte Waffen unter härtesten Bedingungen zum Einsatz kommen. Diese Bedingungen sind beim Schießsport jedoch nicht zu finden, auch nicht beim dynamischen Einsatz, wie beim PRS. Auch hohe Schusszahlen sind völlig nebensächlich. Im Schießsport PRS werden häufig Rohre innerhalb eines Jahres ausgeschossen und werden dann gewechselt. man geht hier also von 2.000 bis 5.000 Schuss pro Jahr aus. Auch das Kaliber ist nebensächlich, denn auch .338 LM und größere Kaliber werden geschossen. bei einer richtigen Auswahl der Komponenten und vernünftiger Montage ist das alles kein Problem und zusätzliche Mittel sind kontraproduktiv.

 

Fehlende Montageinformationen

Zu einer ordnungsgemäßen Montage gehören einige Angaben, die man vorab ermitteln muss:

  • Eignung für den Durchmesser des Mittelrohres des ZF
  • Behandlung der Schrauben (trocken oder geölt/gefettet/gewachst)
  • Anzugsreihenfolge
  • Anzugsmoment
  • evtl. Hinweise zu Abständen

Die meisten Hersteller von Montagen haben diese Informationen auf Nachfrage. Einige Infos sind bereits auf den Webseiten zu finden. Am einfachsten ist die Zuordnung zum Durchmesser. Bei der Behandlung der Schrauben fehlen oft die Angaben. Anzugsmoment und Reihenfolge bekommt man meist heraus oder sie ist aufgedruckt.

Was tun, wenn Angaben fehlen?

Das Anzugsmoment sollte auf jeden Fall in Erfahrung gebracht werden. Es wird in den meisten Fällen zwischen 1,9 und 3,0 Nm liegen. Die Anzugsreihenfolge ist einfach, denn die Schrauben werden überwiegend über Kreuz angezogen. Leider unterscheiden sich die erreichbaren Anzugsmomente zwischen trockenen Schrauben und leicht geölten Schrauben schon sehr, so dass man hier den Hersteller anfragen sollte. SPUHR hat seine Schrauben im Auslieferungszustand gewachst und so können sie auch verwendet werden. Nur unter Extrembedingungen wird hier Loctite 243 empfohlen, nachdem die Schrauben und Schraubenlöcher entfettet wurden.

 

Anzug mit Drehmomentschlüssel Hazet (siehe Werkzeugliste):

 

Falsches Werkzeug

Auch wenn einige Schützen behaupten, ein Drehmomentschlüssel ist nicht notwendig und sie hätten das im „Gefühl“, sollte man dies nicht glauben. Gerade beim Long Range Shooting werden auch die Grenzbereiche des Zielfernrohres ausgenutzt und Verformungen kann man sich somit nicht leisten. Die Mechanik und auch die Optik kann nach Anzug mit den falschen Anzugsmomenten leiden und die Verstellwege werden beeinflusst. Nur ein Klick sind auf 1.000 m schon 10 cm Abweichung und alle Fehler addieren sich. Ein Boxtest bis in die Grenzbereiche gibt darüber Auskunft. Selbst die Optik kann darunter leiden oder sogar zerstört werden. Schon mit ein wenig Recherche im Netz lassen sich einige Beispiele finden.

Drehmomentschlüssel müssen auch zum Anzugsmoment passen, also das Anzugsmoment sollte nicht am unteren oder oberen Ende liegen. Nach der Arbeit werden Drehmomentschlüssel wieder vollständig entspannt, damit die Genauigkeit lange erhalten bleibt. Gute Drehmomentschlüssel können durch den Hersteller wieder kalibriert werden. In der Werkzeug- und Materialliste sind entsprechende Schlüssel aufgelistet.

 

Kleinerer Drehmomentschlüssel für filigrane Schrauben:

 

Fehler bei der Montage

Folgende Fehler werden oft beobachtet:

  • ZF ist nicht exakt waagerecht zur Waffe ausgerichtet und kann somit gerade auf große Entfernungen nicht präzise treffen. Das Verkanten der Waffe führt zu Fehlschüssen. Um dies zu vermeiden, sollte das Absehen zumindest gerade ausgerichtet sein. Einige Hersteller liefern Keile zur Ausrichtung dazu. Dies muss jedoch nicht immer korrekt funktionieren und hängt von der Bauform des Mittelteils ab und von der Bauhöhe. Die Waffe muss mittels Wasserwaage ausgerichtet sein. Das ZF wird dann ebenfalls danach ausgerichtet. Hilfsmittel, wie Lote und ein Durchblick durch das ZF können ebenfalls angewendet werden. Bei exakt ausgerichtetem Absehen muss eine waagerecht ausgerichtete Waffe ein senkrechtes Lot mit der senkrechten Linie des Absehens treffen und es darf kein Winkel entstehen.
  • Spaltmaß falsch. Bei der Montage der Ringhälften muss darauf geachtet werden, dass keine Seite der Schale auf dem Brückenteil aufliegt, weil es sonst zu Verzug kommt und der Anpressdruck nicht stimmt. Ein Fühlerlehrensatz schafft hierbei Abhilfe. Nach der Montage sollte zumindest die dünnste Fühlerlehre noch in den Spalt passen.
  • Montagering zu dicht am Mittelstück. Der Montagering darf nicht zu dicht am Mittelstück anliegen. Es sollten je nach Bauform mindestens 5 mm Abstand gewählt werden. Zum einen, weil sich die Maße dicht am Mittelstück ändern können und zum Anderen, weil sonst ein Wandern des ZF nicht beobachtbar ist.

 

Spaltmaß mit Fühlerlehrenset prüfen:

 

Tipp

Nach der Montage wird ein Lackpunkt am vorderen und hinteren Ringteil zwischen Ring und ZF angebracht, also einmal ganz vorn und einmal ganz hinten. Damit kann man das Wandern eines ZF in der Montage sofort erkennen. Der Lackpunkt kann mit einem Lack-Edding gesetzt werden (auch an der Unterseite, falls der Punkt stört).

 

Lackpunkt (unterhalb des Aimpoint):

 

Anzugsmomente

Anzugsmomente Mittelrohr

Nachfolgend einige Anzugsmomente für die Montage auf den Mittelrohren. Die Angaben stammen aus Montageanleitungen und aus dem Schriftverkehr mit Herstellern. Alle Angaben ohne Gewähr!

 

  • Kahles K4i | K15i | K16i | K312ii K312i | K624i | K1050 | K1050i FT: max. 2,4 Nm
  • Steiner M5Xi: max. 2,0 Nm, normalerweise reichen 1,7 bis 1,8 Nm
  • Steiner Military 4-16×50 auf EraTac: max. 2,5 Nm
  • Zero Compromise Optic ZC527: max. 2,8 Nm
  • Schmidt & Bender PT II und andere bei Nutzung von Eratac, SPUHR und EAW: 2,6 Nm
  • Blaser Sattelmontage Ringhälften: 2,0 Nm
  • Vortex Riflescope für Ringe 34 mm: max. 2,0 Nm
  • Swarowski Optik: max. 2,0 Nm
  • Athlon Optics: 2,0 bis 2,26 Nm
  • GPO Spectra: max. 2,0 Nm
  • Nightforce Optics: max. 2,8 Nm (Anfrage für ein Glas der NX8-Reihe)

 

Anzugsmomente Turmkappen Nullung

Nachfolgend einige Anzugsmomente für die Turmkappen zur Fixierung nach dem Einschießen. Die Angaben stammen aus Montageanleitungen und aus dem Schriftverkehr mit Herstellern. Alle Angaben ohne Gewähr!

 

  • Zero Compromise Optic ZC527: max. 0,5 Nm
  • Kahles K4i | K15i | K16i | K312ii K312i | K624i | K1050 | K1050i FT: maximal 1 Nm.

Hinweis: Ich ziehe meine Turmkappen oft nur mit 0,4 Nm an. Finde das schon viel. Aber verliert nicht eure Kappen 😉

 

Anzugsmomente Montagen auf Picatinny-Schiene

Nachfolgend einige Anzugsmomente für die Befestigung der Montagen auf picatinny-Schienen. Die Angaben stammen aus Montageanleitungen und aus dem Schriftverkehr mit Herstellern. Alle Angaben ohne Gewähr!

 

  • SPUHR: 5 Nm
  • EraTac: 10-12 Nm (ist an der Mutter beschriftet)

 

Anzugsmomente sonstige Optiken

Die Angaben stammen aus Montageanleitungen und aus dem Schriftverkehr mit Herstellern. Alle Angaben ohne Gewähr!

 

  • Aimpoint Micro T1 Basisplatte (1. Version mit Aluminiumgewinde): ca. 1 Nm (ich halte dies für etwas viel und nutze max. 0,7 Nm)
  • Aimpoint Micro T2 Basisplatte (2. Version mit Helicoileinsatz): ca. 1,4 Nm
  • Blaser Sattelmontage Nutensteine: 3,0 Nm; Ring auf ZF-Träger alte Form: 3,0 Nm, neue Form: 5,9 Nm

 

Alle Werkzeuge und Materialien sind hier verlinkt.

 

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