Fotolabor Dunkelkammer

Die Dunkelkammer im Selbstbau

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Warum Filme und Fotos selbst entwickeln?

Das digitale Fotografieren ist schnell, effizient und preiswert. Ist das Bild erst einmal im Kasten, folgt der Postprozess – die Nachbearbeitung am Computer. Der Weißabgleich wird angepasst, Kontraste verbessert und die Belichtung hingerückt. Auch Farben werden manipuliert. Wer seine Bilder präsentieren möchte, braucht schon etwas länger für diese und andere Bearbeitungsschritte. Dazu kommt das Aussortieren, verwalten, einordnen, beschriften und sichern. Diese Nacharbeiten muss man alle am Computer erledigen, so dass eine Menge Zeit vor dem Display vergeht.
Das hat mich gestört. Etwas anderes hat mich aber noch mehr gestört: die Bilderflut. Wenn ein Bild nichts mehr kostet (außer Bearbeitungszeit und Speicherplatz), drückt man schon einmal schneller auf den Auslöser. Man kann das Bild ja wieder löschen. Die Auswahl wird nicht mehr so akkurat vorgenommen – ich fing an nur noch zu knipsen. Da wollte ich auch wieder heraus.
Eine Möglichkeit bot die analoge Fotografie. Ich trennte also Hobby von Arbeit und stellte mich wieder um auf analoge Bearbeitung. Der digitale Prozess bleibt der Arbeit vorbehalten. Für den analogen Prozess wollte ich jedoch auch die volle Kontrolle – also blieb mit vertretbarem Aufwand (für mich) nur die SW-Technik übrig. Die Folge: eine Dunkelkammer musste eingerichtet werden. Da ich vor 10 Jahren das letzte Mal das Licht in einer Dunkelkammer ausschaltete, hieß es nun von vorn anzufangen. Hier nun meine Tipps zur Einrichtung einer Dunkelkammer auf kleinstem Raum mit den Erklärungen, warum ich mich genau für diese Ausrüstung entschieden habe.

 

Der Raum

Ich hatte das Glück, einen kleinen Raum mit Wasseranschluss zur Verfügung zu haben (ehem. WC). Der Raum ist sehr klein (2,00×1,80m), reicht aber dennoch aus für alle Arbeiten. Folgende Bedingungen sind Voraussetzung für ein entspanntes Entwickeln:

  • Wasser- und Abwasseranschluss (es geht auch ohne, ist dann aber unbequem)
  • Stromanschluss 230V, möglichst FI-abgesichert
  • genügend Arbeitsflächen (wasserabweisend)
  • Entlüftung (sehr wichtig wegen der Chemikaliendämpfe!)

 

Der letzte Punkt wird oft übersehen aber er ist sehr wichtig. Eine Entlüftung sollte unbedingt möglich sein (Fenster oder Lüfter). Meine Dunkelkammer hatte Strom, Wasser und die Entlüftung, war also sehr gut geeignet. Der Rest fehlte jedoch, dazu kam, das diverse Sanitärobjekte nicht entfernt werden konnten. Also half nur Selbstbau. Die Fliesen durfte ich ebenfalls nicht durchlöchern, musste also etwas bauen, was selbständig steht. Ich habe dann mehrere Entwürfe geplant (einfache Skizzen), um eine optimale Platzausnutzung zu erreichen. Für die Sitz/Stehfläche habe ich den Platz an der Tür gewählt, weil er durch die nach innen zu öffnende Tür sowieso schon belegt war. Es musste gerade so viel Platz bleiben, damit ich bequem rein und raus komme. Den restlichen Raum habe ich mit Arbeitsplatten ausgebaut.

 

Bau des Labors

Ausgangslage mit den sanitären Einbauten

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Bau des Gestells – Arbeitsplatte aus beschichtetem Sperrholz (15mm)

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Arbeitsplatten komplett und teilweise eingerichtet

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arbeitsfähig

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Im oberen Bereich habe ich noch Hängeschränke (alte aus der Küche) eingebaut, um die Papiere und Kleingerätschaften zu verstauen. Insgesamt war der Umbau recht preiswert, da nur einige Hölzer und die Arbeitsplatten aus beschichtetem Sperrholz notwendig waren. Noch eine Kiste Schrauben und das war schon alles. Für den Papierwascher habe ich einen Adapter auf den vorhandenen Wasserhahn geschraubt und kann nun die Gardenaschläuche einfach anklicken.Beim Filmentwickeln wässere ich nach der angepassten Ilford-Methode und benötige nur 2 Liter.
Die Abdichtung der Tür habe ich mit einem Vorhang gelöst (eine Seite mit Tape angeklebt, andere Seite und oben mit kleinen Aufhängern).

 

Die Technik im Labor

Nachfolgend liste ich die einzelnen Gerätschaften auf . Es gibt zu jedem Gerät natürlich viele Alternativen. Preislich ist die Einrichtung einer Dunkelkammer heute kein Problem mehr, da viele Amateure ihre Geräte verkaufen und auch viele professionelle Labore oder Schullabore aufgelöst werden.

 

Vergrößerer (Fujimoto 450M-C)

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Heiland SPLITGRADE® Controller

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Rotationsprozessor CPE2 Plus inkl. Lift + Trommeln

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Jobo Autolab ATL 500

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Schalen, Wascher, Thermometer, Flaschen

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Trichter, Meßbecher, Mensuren

 

Der Vergrößerer – Fujimoto 450M-C

Der Vergrößerer ist wohl eines der wichtigsten und größten Geräte in der Dunkelkammer. Wer keine Farbentwicklung vorhat, kann sich für Kondensor- oder Mischlichtvergrößerer entscheiden. Erstere sind nur für den SW-Prozess geeignet. Kondensorgeräte sollen schärfere Prints erzeugen, dafür aber Fussel u.ä. deutlicher abbilden. Beim Kondensorgerät braucht man meist für verschiedene Negativformate auch unterschiedliche Kondensorlinsen, bzw. zumindest die für das größte Negativformat. Das Negativformat bestimmt auch die Größe des Gerätes. Wer nur KB entwickeln möchte, kann sich also für einen KB-Vergrößerer entscheiden. Hier ist die Auswahl auch am größten und die Preise sind relativ niedrig. Für Mittelformat oder Großformat müssen dann größere Geräte her. Die Auswahl ist hier deutlich geringer, dafür steigt bei einigen Geräten die Qualität deutlich an. Wichtig ist neben der guten Ausleuchtung die Parallelität von Negativbühne und Grundbrett. Außerdem darf die Säule nicht schwingen. Je stabiler das Gerät um so besser. Daher habe ich mich für einen 4×5″-Vergrößerer entschieden. Dieser ist extrem stabil gebaut, alle Bedienungselemente sind äußerst stark ausgeführt und vor allem aus Metall. Im SW-Prozess wird man mit verschiedenen Gradationen arbeiten und hier macht ein Gradationsmodul (Multikontrastmodul) oder ein Farbkopf sehr viel Sinn. Man kann dann mit Gradationswandelpapieren arbeiten und kommt sehr viel schneller und einfacher zu seinem Abzug. Für mich stand daher fest, dass nur ein Farbkopf in Frage kommt (bzw. ein Multikontrastmodul). Alle Kondensorgeräte fielen damit aus. Mit diesen hätte ich Filter in einer Filterschublade nutzen müssen, was mir zu viel Aufwand war. Hier noch einmal die Entscheidungen, die zu treffen sind:

  • Negativgröße (KB oder MF oder GF)
  • Kondensor oder Mischlicht
  • Filterschublade oder Farbkopf (bzw. Multigrademodul)
  • Größe (je größer, desto größere Bilder auf dem Grundbrett möglich)

 

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Die nächste Entscheidung gilt dem Objektiv. Für KB werden in der Regel 50mm Brennweite genommen. Mittelformat arbeitet üblicherweise mit 80mm und GF geht ab 105mm los. Man kann auch mit 80mm Brennweite KB-Abzüge herstellen, kann dann aber nicht sehr große Abzüge herstellen. Das Objektiv sollte erstklassig sein. Für mich kamen daher nur Rodagone von Rodenstock in Frage, die auch nicht allzu teuer sind.

 

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Ich habe mich aus vorgenannten Gründen für den Fujimoto entschieden. Vorteile: sehr stabil, GF bis 4×5″ möglich, Farbkopf. Nachteile: etwas weiches Licht; z.Z. nur die 4×5″-Bühne, kein Splitgrademodul einbaubar, sperrig.
Die Wände um den Vergrößerer sollten nicht weiß sein, da sonst sehr viel Streulicht beim vergrößern zurück geworfen wird und die Bilder matschig werden. Ich hatte erst eine Stoffbahn gespannt, welche aber fusselte. Jetzt sind graue Kartons an die Fliesen geklebt, welche das Licht gut schlucken und auch nicht zu dunkel wirken. Damit man während des Entwickelns nicht im Dunkeln steht, muss man noch eine Dukalampe besorgen. Nicht jede Lampe ist für jedes Papier geeignet. Ein Schleiertest gibt letztendlich Sicherheit, ob die Lampe Auswirkungen hat oder nicht.

 

Der Controller – Splitgrade von Heiland

Es geht aber bedeutend einfacher und schneller mit einem Controller von Heiland. Wenn er erst einmal eingetestet ist auf Film und Prozesse, dann kommt man direkter und preiswerter zu seinen Abzügen. Ich kann so ein Gerät nur empfehlen. Im einfachsten Fall reicht eine preiswerte Belichtungsuhr und man entwickelt über Probestreifen seine Abzüge. Es gibt auch weitere Controller auf dem Markt. Vorteile des Heiland sind für mich:

  • keine Probestreifen notwendig (spart Zeit und Geld)
  • Kontrast direkt ablesbar
  • Belichtung und Kontrast einfach veränderbar
  • beste deutsche Qualität des Gerätes und erstklassiger Service durch Jürgen Heiland und seine Mitarbeiter

 

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Die Rotationsmaschine

Wer eine gleichmäßige und wiederholbare Filmentwicklung bevorzugt, wird sich auf eine Rotationsmaschine oder Kippprozessor konzentrieren. Der Kippprozessor TAS der Firma Heiland ist sehr schön aber leider auch teuer. Die Rotationsprozessoren von Jobo gibt es in verschiedenen Ausführungen und sind relativ preiswert. Die kleineren Prozessoren heißen CPE und CPE2 (auch plus) und reichen für die Filmentwicklung völlig aus. Wer auch Papiere in den Maschinen entwickeln will, kann auch zu den größeren Prozessoren CPP und CPA greifen (statt 30x40cm nun 40x50cm als größtes Maß). Die CPE gibt es auch mit einem Lift, was die ganze Sache noch komfortabler macht, da man nicht mehr Hand ein- und ausgießen muss (nur noch nachgießen). Die Prozessoren haben ein Wasserbad und werden elektronisch geregelt. Ich habe mich für den CPE2+ entschieden, da er von der Grundfläche bedeutend kleiner ist als die größeren Geräte CPP und CPA. Der Lift ist sehr praktisch und ich möchte ihn nicht missen. Bei der Rotationsentwicklung soll die Schärfe des negativs geringer sein als bei Kippentwicklung. Ob sich dies auf den Prints auswirkt, kann ich nicht beurteilen. Der Unterschied wird allenfalls in großen Maßstäben sichtbar sein (wenn überhaupt). Der große Vorteil der Prozessoren ist die immer gleichbleibende und daher wiederholbare Entwicklung. Nur so kann man seine Filme genau eintesten und weiß auch, was nach der Entwicklung heraus kommt. Wer sparen will, kann aber auch mit der Dose in der Hand seine Filme entwickeln. Hierbei sollte man dann aber peinlichst auf die Zeiten und auf die gleichmäßigen Kippbewegungen achten. Leider ist man während der ganzen Zeit dann mit Kippen beschäftigt und kann keine weiteren Dinge (wie Labor aufräumen, Chemie für positivprozess vorbereiten usw.) machen. Hier die Vorteile auf einen Blick:

  • gleichmäßige Entwicklung im temperierten Wasserbad
  • absolute Wiederholbarkeit (bei gleicher Chemie und Temperatur)
  • Chemie wird ebenfalls temperiert
  • mit Lift sehr bequem
  • Man kann im Prozessor auch Papiere entwicklen – ich bevorzuge aber die Schalenentwicklung bis 30x40cm Größe. Für die Entwicklung braucht man noch eine genaue Uhr. Am besten eigenen sich sogenannte Labortimer, welche auch recht preiswert zu finden sind.

 

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Das Autolab – ATL 500

Seit einiger Zeit bevorzuge ich das Autolab ATL 500 von Jobo. Nach einigen kleineren Reparaturen habe ich nun eine zuverlässige Maschine gefunden, die auch kleine Mengen verarbeitet. Die Maschine hat drei Tanks und lässt sich beliebig programmieren. Die erste Wässerung erfolgt mit temperiertem Wasser. Manchmal ist das Gerät etwas zickig – lässt sich aber immer wieder zum Entwickeln überreden 😉

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Sonstiges

Einige Dinge sind nicht unbedingt notwendig, vereinfachen aber den Prozess. Ich benutze zusätzlich einen Filmtrockner von Jobo (sicherlich auch schon 20 Jahre alt) und einen Papiertrockner von Kaiser, damit ich die Bilder irgendwie schnell trocken bekomme. Die Durst Entwicklungsmaschine soll erst zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt werden. Zur Zeit reicht mir die Schalenentwicklung aus. Zur Beurteilung der Schärfe beim Vergrößern benutze ich einen Peak-Kornscharfsteller. Um die Negative und die Bildbühne zu säubern, habe ich mir einen Kamelhaarpinsel zugelegt.

 

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Trockner von Jobo für Filmstreifen

 

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trocknen auf der Leine oder im Schnelltrockner

 

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Negative mit Beschwerung

 

  7 comments for “Fotolabor Dunkelkammer

  1. Hafner Herbert
    8. Januar 2016 at 20:46

    Hallo,
    die Seite ist beeindruckend.
    Bin auf sie gestoßen, weil ich nach einer Gebrauchsanleitung für die ATL 500 suche. Gibt es bei Ihnen eine Chance sowas vermittelt zu bekommen?
    Freundlichen Grüße,
    H. Hafner

    • vesab
      8. Januar 2016 at 22:01

      Für den 1500er habe ich eine Anleitung. Auch für Jobo CPE aber nicht für den 500/800er.

      cu Tom

      • Gauss
        10. September 2016 at 11:24

        Hätte ich zu bieten.. schicke mir die Mailadresse

        • vesab
          12. September 2016 at 11:22

          Moin, danke für die Hilfe! cu Tom

  2. Markus
    5. November 2016 at 7:44

    Hallo Tom,
    Dein Bericht ist excellent geschrieben und gut bebildert. Schön auch wie Du aus dem Herren WC gewagt hast einen brauchbaren Laborraum auszubilden. Ich währe da enttäuscht mit dem Vorschlaghammer wieder abgezogen. Die Seite habe ich übrigens gefunden weil ich nach Reparatur von Jobo ATL Geräten gesucht habe.
    Ich wünsche Dir noch viel Freude an der Laborarbeit.

    Gruss Markus

  3. 20. März 2017 at 18:55

    Hi, kurze Nachfrage: ich dachte immer der Splitgrade-controller bräuchte auch einen entsprechenden Kopf bzw. Modul?! Auf dem Bild ist aber nur der Farbkopf für den Fujimoto zu sehen. Kannst Du das nochmal klarstellen? Was hast Du dafür bezahlt (Splitgrade)?
    Ich selbst habe ’nen alten Liesegang Rajah IV Vergrößerer für 4×5, das ist eigentlich ein Kondensorvergrößerer klassischen Typs, ich betreibe ihn aber mit einer Milchglasscheibe und das geht erstaunlich gut (jetzt endlich in einer permanenten Dunkelkammer, nicht mehr die Küche auf- und abrüsten) Dein Einbau sieht sehr gut aus. Meiner ist da viel mehr improvisiert. Rolf

    • vesab
      20. März 2017 at 20:21

      Moin Rolf, hab den gebraucht gekauft, daher kenne ich keinen Preis. Splitgrade wird immer noch teuer gehandelt. Im Kopf wird nur die Lampe gesteuert. Hab den leider verkauft, daher kann ich nicht mehr nachsehen. cu Tom

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