Outdoor-Kocher Teil 1/5

Gas- und Benzinkocher für das Outdoorleben

Teil 1: Einführung, Kocherauswahl, Informationen

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Simmerlite im Einsatz auf einer Motorradtour

 

Warum einen Vergleich?

Ich habe viele Reisen – darunter auch Extremreisen – durchgeführt und musste auch immer einen Kocher mitnehmen. Da stellt sich dann schnell die Frage, welcher Kocher ist geeignet oder wie sicher funktioniert er? Gibt es gute und schlechte Kocher? Was muss ich beachten? Aus diesem Grund habe ich mich mit den kleinen Feuerspeiern etwas intensiver beschäftigt und einige Testreihen durchgeführt. Hier nun in mehreren Teilen die Ergebnisse meiner Tests und Vergleiche.

 

Mehrere Teile

Da die Infos nicht alle in einen Beitrag passen, werde ich diese unterteilen:

  1. Teil: Einführung, Kocherauswahl, Informationen (dieser Teil)
  2. Teil: Gaskocher
  3. Teil: Benzinkocher, Multifuelkocher, Petroleumkocher, Dieselkocher
  4. Teil: Spirituskocher
  5. Teil: Zubehör und sonstige Kocher

 

Kocherauswahl

Folgende Kocher habe ich in den einzelnen Rubriken getestet und verglichen. Nicht alle Kocher kann ich hier in den Beiträge beschreiben aber eine kleine Auswahl ist möglich. In den letzten Jahren sind noch einige neue Kocher auf den Markt gekommen – etwas Revolutionäres ist aber nicht herausgekommen.

 

Gaskocher

  • Coleman F1 Lite
  • Campingaz Bleuet Micro
  • Campingaz Twister 270 HPZ
  • Markill Stormy Piezo
  • Markill Spider
  • Markill Peak Ignition
  • Optimus Crux
  • Primus EasyFuel
  • Primus MFS MultiFuel Himalaya
  • Primus OmniFuel
  • Primus Sturmkocher-Gasbrenner
  • Primus Micron Stove
  • snow peak GigaPower BF
  • snow peak GigaPower GS-100A
  • MSR WindPro
  • MSR PocketRocket

Benzinkocher

  • Juwel Kocher
  • snow peak GigaPower WG
  • MSR Simmerlite

Multifuelkocher

  • Coleman Peak 550 Multifuel
  • MSR DragonFly
  • MSR XGK-2 Expedition
  • MSR Whisperlite Internationale
  • Optimus Nova
  • Primus MFS MultiFuel
  • Primus OmniFuel

Spirituskocher

  • Trangia Sturmkocher
  • Four Seasons Sturmkocher
  • Markill Tuareg Alu

Feststoffkocher

  • Esbit Taschenkocher

 

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Test der Kocher über 1000m Höhe und bei tiefen Temperaturen

 

Was braucht man alles zum Kochen im Freien?

Zur unbedingt notwendigen Kochausrüstung unterwegs gehören:

  • Kocher
  • Brennstoff
  • Windschutz
  • Topf und Pfanne
  • Tasse und Teller
  • Besteck, Kleinkram
  • Dosen, Behälter für Lebensmittel
  • Verpackung, Taschen
  • Wartungsmaterial, Ersatzteile

 

Auf Grund der verwendeten Materialien kommt es hier schnell zu viel Gewicht. Die Töpfe, Pfannen, Tassen, Teller und Dosen nehmen viel vom Packvolumen ein. Durch geschickte Auswahl der Ausrüstung kann hier Gewicht und Volumen eingespart werden. Dies ist vor allem für Trekking-, Fahrrad- und Klettertouren interessant.

 

Die Testbedingungen

Um möglichst praxisnahe Tests durchzuführen, wurde der Test in zwei Jahreszeiten gelegt. Die erste Testhälfte erfolgt unter gemäßigten Witterungsbedingungen in der Sommer- und Herbstzeit. Die Wetterverhältnisse decken einen Großteil des Einsatzes der Kocher ab. Richtig schwierig wird es für die Kocher erst unter widrigen Bedingungen. Dabei spielt die Kälte eine große Rolle. Auch die Höhenlage hat Einfluss auf die Funktion der Kocher. Lassen sich die Kocher auch noch mit Handschuhen bedienen? Um solche und ähnliche Fragen zu klären, wurde die zweite Testhälfte in den Winter verlegt. Natürlich sollte es auch kalt sein, deshalb wurde Norwegen als Testland herausgesucht. Der Januar ist in Norwegen der kälteste Monat und somit für diesen Test am besten geeignet. Da man 30 Kocher nicht in einen Rucksack bekommt, mussten Höhenlagen von 1000 Meter für den Test ausreichen, da alle Kocher mit dem Auto transportiert wurden. Die Aussagen für größere Höhen stehen also aus. Hier wurde auf die Erfahrungen Anderer zurückgegriffen.
Um die objektiven Messwerte aufzunehmen und auszuwerten, kamen folgende Hilfsmittel zum Einsatz:

  • Digitale Waage 2 kg (Genauigkeit 2 mg)
  • Digitales Thermometer für die Lufttemperatur
  • Digitales Luftfeuchtemessgerät
  • Digitales Thermometer mit 2 Sensoren, Logfunktion und PC-Anschluss
  • Analoges Thermometer für die Wassertemperatur (0 bis 30 Grad Celsius 1°)
  • Analoges Präzisionsthermometer für kochendes Wasser (80 bis 102 Grad Celsius 1/10°)
  • Schallpegelmessgerät mit einem Messbereich zwischen 50 und 130 dB (Kurve A)
  • Uhr für Zeitnahme
  • Digitalkamera zur Dokumentation
  • Digitaler Windmesser
  • Notebook für Aufzeichnungen unterwegs
  • Taschenrechner

 

Die Tests wurden nicht nach der Europanorm 521 gemacht, weil diese nicht praxisbezogen genug ist. Tests unter Laborbedingungen können nicht als Vergleichsgrundlage dienen, da sie nur exakte Verbräuche und Gewichtsangaben bringen, aber keine Aussage zur Praxistauglichkeit machen.
Jeder Kocher wurde unter realistischen Einsatzbedingungen getestet. Für verschiedene Aussagen wurden unterschiedliche Witterungsbedingungen ausgesucht. Dadurch war es möglich, Kocher auch bei Wind, Regen und Schneefall zu testen. Für bessere Vergleichsreihen wurden auch einige Indoortests gemacht, um z.B. den Einfluss von verschiedenen Töpfen und Deckeln zu testen. Auch Vergleiche mit und ohne Windschutz wurden durchgeführt. In einigen Fällen wurden auch der Vergleich von unterschiedlichen Füllständen und Größen von Gaskartuschen geprüft.

 

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Testlager an einem zugefrorenen Fluss in Norwegen

 

Sturmtest

Unter den technischen Daten der Kocher erscheinen Herstellerangaben, soweit sie vorhanden sind. Die gemessenen Werte gelten für die jeweiligen Testbedingungen und sind daher nicht direkt vergleichbar, obwohl viele Werte kaum Einfluss auf das Endergebnis haben. Es wurden folgende Werte während der Tests aufgenommen und verarbeitet:

  • Zeit für das Erhitzen von 1 Liter Wasser
  • Startgewicht des Brennstoffbehälters
  • Endgewicht des Brennstoffbehälters
  • Lufttemperatur
  • Wassertemperatur am Beginn
  • Kochtemperatur (100 Grad)
  • Luftfeuchtigkeit
  • Windgeschwindigkeit
  • Gewicht des Kochers
  • Gewicht des Zubehörs

 

Die Verbrauchswerte Volllast gelten für den Sommerbetrieb. Der Verbrauch pro Liter gibt an, wieviel Brennstoff für das Erhitzen von einem Liter Wasser notwendig ist.
Die Lautstärkegruppen unterteilen sich wie folgt:

  • a = Teillast unter 55 und Volllast unter 65 dB
  • b  = Teillast unter 60 und Volllast unter 70 dB
  • c  = Teillast ab 61 und Volllast ab 71 dB

 

Sollte ein Kocher sehr laut sein, wird extra darauf hingewiesen.

 

Sicherheit beim Kochen

Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit Kochern

Kochen mit Gas, Benzin, Diesel, Petroleum und Spiritus ist bei Einhaltung der Anweisungen aus den Bedienungsanleitungen der Kocher weitgehend ungefährlich. Da mit teilweise erhöhten Drücken und offenem Feuer gearbeitet wird, sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Diese sind in den Anleitungen zum jeweiligen Kocher detailliert aufgeführt und sollten stets eingehalten werden.

Benzin ist leicht entzündlich

Die Brand- und Explosionsgefahr ist beim Umgang mit Kochern immer gegeben. Durch defekte Dichtungen, Materialbrüche durch den Transport, oder falsche Bedienung kommt es immer wieder zu Bränden und Explosionen. Deshalb ist vor Kochbeginn das Material und die Montage der Einzelteile immer eingehend zu prüfen und bei Mängeln das Kochen zu unterlassen. Gewarnt werden muss auch vor dem Kochen im Zelt oder in geschlossenen Räumen. Zum einen besteht bei Stichflammen oder der normalen Benutzung des Kochers eine erhöhte Brandgefahr, zum anderen benötigen die Kocher große Sauerstoffmengen, die in geschlossenen Räumen nicht zur Verfügung stehen.
Moderne Zelt- und Ausrüstungsmaterialien bestehen oft aus synthetischen Stoffen, welche sehr schnell Feuer fangen, oft giftige Verbrennungsgase entstehen lassen und manchmal auch tropfend verbrennen. Brennende synthetische Stoffe können auch großflächig die Haut verkleben.
Entsprechende Löschmittel sind vor dem Kochen bereit zu halten. Auf der Trekkingtour wird niemand einen Feuerlöscher im Rucksack haben. Eine feuerhemmende Plane oder der Feldspaten im Sand kann aber Schlimmeres verhindern. Auch eine Schüssel Wasser kann entstehende Brandherde eindämmen. Vorsicht bei Wasser und Öl. Die Zugabe von Wasser auf stark erhitztes Öl kann Explosionen hervorrufen und die Lage noch verschlimmern.
Ein sicherer Kocherstand, fernab der brennbaren Umgebung, ist Voraussetzung für störungsfreies Kochen. Hektik schadet nicht nur dem Magen, sondern auch der Kochkunst. Ein vernünftiges Mahl braucht seine Zeit.
Kinder sollten grundsätzlich keinen Zugang zu den Kochern und den dazugehörigen Brennstoffen haben. Sie können die Gefahren nicht einschätzen.
Die Brennstoffe der Kocher sind giftig. Sie dürfen nicht in die Lebensmittel gelangen. Auch zum Säubern der Ausrüstung (Ausnahme Kocher) sollten keine Brennstoffe verwendet werden.
Die für Kocher verwendeten Kraftstoffe sind krebserregend und fruchtschädigend. Der Kontakt mit der Haut, Einnahme und Einatmen von Dämpfen sollten vermieden werden. Die Lagerung muss unabhängig von Lebensmitteln erfolgen. Reinigungsmittel sind zusammen mit dem Kocher zu transportieren.
Auf keinen Fall dürfen Brennstoffe in Trinkflaschen oder trinkflaschenähnlichen Behältern transportiert werden. Die Gefahr von Verwechslungen ist sehr hoch.
Natürlich sollten auch keine Brennstoffe in die Natur gelangen.

 

Transport von Kochern in öffentlichen Verkehrsmitteln

Die meisten Einschränkungen beim Transport von Campingkochern existieren in Flugzeugen. Vor Flügen sollten unbedingt  die Airlines kontaktiert werden, um die Transportbeschränkungen zu erfahren. Dabei muss beachtet werden, dass es unterwegs zu Umbuchungen oder Ersatzflügen durch andere Airlines kommen kann. Jede Airline kann Ihre eigenen verschärften Sicherheitsauflagen gestalten. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen gibt regelmäßig eine aktualisierte Liste heraus, welche alle Gegenstände enthält, die man auf Flügen nicht mitnehmen darf. Unterschieden wird nach Gegenständen im Handgepäck und nach aufgegebenem Gepäck. Im Handgepäck dürfen unter anderem nicht mitgenommen werden (es werde nur campingspezifische Dinge aufgeführt):

  • Gas- und Gasbehälter (alle Campinggase)
  • Überallzündhölzer
  • Brennbare flüssige Kraftstoffe (z.B. Benzin, Diesel, Petroleum, Spiritus, Flüssiggas für Feuerzeuge, Alkohol, Ethanol)
  • Alkoholische Getränke von mehr als 70% vol.

 

Im aufgegebenen Gepäck dürfen unter anderem folgende Dinge nicht mitgeführt werden:

  • Gase (z.B. Butan, Propan)
  • Brennbare Flüssigkeiten, einschließlich Benzin
  • Brennbare Feststoffe (also auch Esbit)
  • Feuerzeuge (es gibt mittlerweise Ausnahmen)
  • Komponenten von Kraftstoffsystemen, die Kraftstoff enthalten haben

 

Daraus leiten viele Airlines ab, dass Benzinkocher im entleerten Zustand auch nicht im aufgegebenen Gepäck transportiert werden dürfen. Gaskocher ohne Gaskartuschen fallen nicht darunter.Um Benzinkocher im Flugzeug zu transportieren, sollten folgende Schritte eingehalten werden:

  • Airline kontaktieren, um festzustellen, ob ein Transport gesäuberter Benzinkocher und Brennstoffflaschen erlaubt wird. Eine schriftliche Zusage bewahrt vor Überraschungen.
  • Kocher komplett auseinandernehmen und mit heißem Wasser reinigen und vollständig trocknen. Nach der Reinigung darf der Kocher nicht mehr nach Brennstoff riechen.
  • Brennstoffflasche mit heißem Wasser reinigen und trocknen. Für die Brennstoffflasche gilt auch, dass sie nicht mehr nach dem Brennstoff riechen darf.
  • Benzinkocher und Brennstoffflasche im Handgepäck mitnehmen.

 

Gase und flüssige Brennstoffe dürfen also keinesfalls in das Flugzeug mitgenommen werden. Es gibt auch Probleme, wenn man mit Gaskartuschen oder Benzin auf dem Flughafen ankommt und beim Sicherheitscheck wegen dieser Stoffe nicht zum Flugzeug gelassen wird. Die Kartuschen und andere Brennstoffe kann man nicht auf dem Flughafengelände entsorgen, so dass man seinen Flug unter Umständen nicht mehr antreten kann. Die Sicherheitsbeamten und das Flughafenpersonal werden keine Kartuschen entgegennehmen und auch dafür sorgen, dass diese Dinge nicht im Flughafenbereich entsorgt werden. An diese Probleme sollte man vorher denken. Also sicherheitshalber  die Oma zum Abflug mitnehmen. Diese kann dann die Kartuschen wieder mit nach Hause nehmen.
Am besten ein Getränk in die Brennstoffflasche einfüllen, das kann dann kaum explodieren. Das müssten auch die Sicherheitsbeamten einsehen. Vielleicht.

Die Erfahrungen vieler Reisenden sind recht unterschiedlich. In einigen Fällen mussten Benzinflaschen nur zusätzlich mit Wasser ausgespült werden und ein Transport war möglich. In vielen Fällen wurde aber ein Transport von Benzinflaschen nicht zugelassen! Die Kocher waren in den allermeisten Fällen nicht das Problem. Leider werden die Kontrollen auf Flughäfen immer weiter verschärft, so dass neue Bestimmungen nicht auszuschließen sind.

In Zügen und Bussen wird das Gepäck nicht kontrolliert, so dass es kaum Probleme geben dürfte. Trotzdem sind die Vorschriften der Bus- und Bahngesellschaften einzuhalten.

 

  3 comments for “Outdoor-Kocher Teil 1/5

  1. 5. Dezember 2014 at 1:20

    Ich bin beeindruckt und gespannt ! Tolle Sache dieser Vergleich, ich hätte dir auch noch ein paar interessante Kocher geahbt zum Testen 😉
    Gruss,
    Martin

  2. vesab
    5. Dezember 2014 at 14:12

    Hallo Martin,

    danke!

    Komme gerade nicht dazu, es auf die HP zu bringen. Die restlichen Teile sind aber alle vom Test her abgeschlossen.
    Es gibt ja noch einige Kocher mehr 😉

    cu Tom

  3. Lukas
    10. Dezember 2014 at 0:01

    Wow, das liest sich verdammt gut!
    ich bin echt gespannt was rauskommt – ich brauche nämlich dringend einen guten kocher 🙂

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