Akku Arri SR2 erneuern

Kamera-Akku für Arriflex SR II erneuern

Die Akkus der älteren Filmkameras sind meist komplett hinüber. Da hilft nur Austausch der Akkus, falls das technisch möglich ist. Bei den Akkus der 16mm-Kamera Arri SR2 ist der Austausch der Akkus schnell durchgeführt. Man braucht nur ein paar Zutaten und schon kann es losgehen. Benötigt werden:

  • Ersatzakkus als Block oder Einzelakkus NiCd 1,2V 2.000 mAh
  • Schraubendreher Kreuzschlitz PH
  • Multimeter
  • Lötkolben oder Lötstation und Zubehör
  • Polstermaterial für die Akkus

Leider gibt es die Originalzellen mit 2.800 mAh nicht mehr, da die EU die NC-Akkus verboten hat und nun die Auswahl beschränkt ist. Die 2.000er Zellen sind aber heute sehr gut und können als Ersatz hergenommen werden.

 

Originalzelle von Sanyo mit 1,2V und 2.800 mAh

 

Los geht’s

Zuerst den Gehäusedeckel abschrauben – genau 6 Schrauben. Die Schraube am Anschlussstück geht am besten raus, wenn man den Adapter etwas anwinkelt und die Feststellschraube ganz herausdreht. Vorsicht – die alten Akkus können teilweise ausgelaufen sein, so dass man Handschuhe anziehen sollte und das Gehäuse innen gut reinigen muss.

 

Deckel abschrauben

 

der alte Akku füllt das Gehäuse vollständig aus

 

keine Seltenheit – korrodierte oder ausgelaufene Zellen

 

das leere Gehäuse und rechts sind die Isolierfolien zu sehen, die später wieder eingesetzt werden

 

Wer nicht so viel Arbeit haben möchte, bestellt sich einfach einen Austausch-Akkublock, z.B. bei akkuumbau.de.

 

Block von akkuumbau.de

 

Den alten Akku auslöten und die Anschlusskabel auf Korrosion prüfen. Die Lötfahnen des Akkublocks verzinnen, die Anschlusskabel mit Zinn und etwas Kolophonium versehen und anlöten. Anschließend prüfen, ob die Polarität stimmt.

Pin 1 ist Masse (minus) und Pin 4 ist der Pluspol.

Der neue Block ist durch die etwas kleineren Zellen insgesamt natürlich kleiner und wackelt nun im Gehäuse umher. Mit etwas Schaumstoff lässt sich das entschärfen. Beim Einbau wieder die Isolierfolien an allen Seiten einsetzen, damit der Akku nicht an den Schrauben einen Kurzschluss bekommt.

 

der Block ist eindeutig gekennzeichnet

 

Akku verlötet und mit Schaumstoff ausgepolstert (alte Isolierscheiben sind eingelegt)

 

an Pin 1 und 4 prüfen, ob die Polarität stimmt

 

Danach das Pack wieder verschrauben und prüfen, ob der Akkublock auch gut fixiert ist durch den Schaumstoff.

 

Ladung

Nun kann  der Akku an das originale Ladegerät angeschlossen werden. So wie ich die Sache sehe, ist der originale Lader ein Konstantstromlader, denn man muss einen Startknopf drücken und dann läuft die voreingestellte Zeit ab. Dann ist der natürlich auf die Kapazität von 2.800 mAh eingestellt, so dass er nun den neuen Block mit 2.000 mAh zu lange laden wird. Also beobachten und prüfen, ob der Block warm wird. Ist das der Fall, den Akku abklemmen.

 

der Original-Lader von Arri

 

Es gibt prinzipiell zwei Lösungen, wenn man den originalen Lader weiter nutzen möchte. Entweder wird die Zeiteinstellung verringert oder die Ladestromstärke verkleinert.

Die verbauten Akkus sind laut Aufdruck SANYO NC1900SCR (N1900SCR), welche nominal 1.900 mAh haben. Die Angabe 2.000 mAh ist also etwas optimistisch gewählt. Das Ladegrät von Arri, der Twin-Charger lädt die Akkus 7 Stunden lang mit 15V und ca. 350 mA – das hört sich also nach Konstantstromlader an. Zum erstmaligen Formieren der Akkus ist das ja ganz gut aber auf Dauer nicht optimal. Die verbauten Zellen sollen bei max. 45 Grad geladen werden, besser nur 40 Grad. Bei 15 Volt würde sich eine Ladeschlussspannung von 1,5V pro Zelle realisieren. NC-Akkus können auch bis 1,65V Ladeschlussspannung haben (1,4-1,65V) – die Ladeschlussspannung ist jedoch kein sinnvoller Messwert für die Erkennung des vollgeladenen Akkus, da sie je nach Alter, Temperatur und Bauart der Zelle schwanken kann.

Daher sind Konstantstromlader seit jeher die einfachste Variante, den Akku halbwegs kontrolliert vollzuladen. Dazu muss er natürlich vorher leer gewesen sein, denn sonst überlädt man ihn.

Das Formieren von NC-Akkus ist eine altbekannte Methode, um die Zellen in einem Akkublock auf eine gleiche Spannungslage zu bringen, damit bei der Entladung nicht einzelne Zellen zu tief entladen werden und ihren Geist aufgeben. Normalerweise benutzt man dazu einen Ladestrom von 1/10C, also bei einem 2.000 mAh-Akku 200 mA Ladestrom. Man lädt dann 1,5C ein, was also rechnerisch dem 1,5-fachen Wert der Kapazität entsprechen würden, aber in der Realität durch Verluste weit weniger ist. Die geschlossenen Zellen der NC-Akkus können ein Überladen ab und wandeln die überschüssige Energie in Wärme um. Auch meine alte Anleitung für das SE6861 geht nach diesem Schema vor – immerhin war das ein Gerät für 30.000 DM und ein paar findige Köpfe haben das eruiert.

Bei dem vorhandenen Ladegerät mit 350 mA Ladestrom und 7 Stunden Landung werden also 2.450 mAh „eingeladen“, was für den Akku noch ok ist. Bei 1/10C kann man einen NC-Akku nicht überladen – formieren geht sogar bis 3/10C gut. 350 mA sind für den 2.000 mAh-Akku ca. 1,75/10C, also für Dauerladung etwas zu hoch. Die eingeladene Menge wäre aber noch vertretbar, da ja überladen werden muss – ich schätze bis 2.200 mAh wäre ok. Der Ladestrom ist aber zu hoch für die Überladung, was den Akku zu heiß werden lässt.

 

Hier die Ergebnisse der Ladung:

Dauer in min Spannung in V Temp in °C
0 13,25 24,2
2 13,69 24,2
41 14,10 24,2
65 14,17 24,2
120 14,30 24,2
171 14,42 24,8
210 14,52 26,8
236 14,55 29,3
248 14,55 31,5
257 14,54 32,8
260 14,53 33,4
317 14,32 44,6
322 14,31 45,5

 

Nach ca. 4 Stunden und 20 min ist die Vollladung sicher erreicht (im Diagramm ersichtlich bei 260 min), wenn der Akku leer war. Maximum sind 5 Stunden, wobei der Akku dann schon zu warm ist, denn ich habe ja beim geöffneten Akku gemessen. Wenn man auf der sicheren Seiten bleiben will, lädt man einen leeren Akku 4 Stunden und Maximum sind 4,5 Stunden mit dem Originalladegerät.

 

 

Man kann den Akku auch mit jedem modernen Akkupacklader aus dem Modellbau laden, wenn dieser NC-Akkus „versteht“.

 

 

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