Minolta Auto Meter VF

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Minolta Auto Meter VF

 

Da ich den Minolta VF beim Test des Kenko bereits erwähnt habe, möchte ich hier ein paar Informationen dazu nachschieben. Der allgemeine Teil ist mit dem Review des Kenko KFM-1100 identisch (falls jemand das Review des Kenko zuerst gelesen hat und sich nun wundert).

 

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Kenko Auto Digi Meter KFM-1100 und Minolta Auto Meter VF

 

Warum ein Belichtungsmesser?

Eine moderne Digital-Spiegelreflexkamera besitzt eine sehr genaue Belichtungsmessung mit verschiedenen Messmodi. Ob Spot- oder Matrixmessung – in den meisten Fällen ist die Belichtung richtig. Dazu nutzen viele Fotografen zusätzlich das Histogramm, welches bei manchen Kameras auch für einzelne Farbkanäle zugeschaltet werden kann. Anhand des Histogramms lässt sich einfach feststellen, ob der Belichtungsspielraum des Sensors nicht überschritten wurde, oder ob die hohen oder niedrigen Werte aus dem Histogramm heraus laufen. Dann ist entweder in den Schatten oder den Lichtern kein Detail mehr zu sehen.
Ich habe in den meisten Fällen genauso gearbeitet. Bei einigen Situationen habe ich dadurch leider erst am Computer gesehen, dass die Belichtung doch nicht meinen Wünschen entsprach. Nach der Bearbeitung der RAW-Datei konnt ich zwar die Belichtung anpassen, aber manchmal fraßen dann wichtige Bildbestandteile aus bzw. wurden überstrahlt. Dabei hatte ich genau aufgepasst, dass das Histogramm stimmte. Gerade bei großen hellen oder dunklen Bildanteilen kommt das Histogramm an seine Grenzen. Auch die Belichtungsmessung der Kamera ist in einigen Situationen überfordert. Die Elektronik kann nur bestimmte Helligkeitsverteilungen anhand der internen Datenbanken einer Situation zuordnen und dann eine Belichtung vorschlagen. Ob das dann der Vorstellung des Fotografen entspricht, kann die Kamera nicht ‚wissen‘. Abhilfe schafft die Spotmessung der Kamera. Hier können bildwichtige Teile gezielt angemessen und die Belichtung kann entsprechend der Dynamik des Sensors darauf abgestimmt werden. Aber auch der Spotmessung sind Grenzen gesetzt. Spiegelungen, kleine Details und harte Kontraste können die Spotmessung verfälschen. Außerdem wird stets reflektiertes Licht gemessen. Dabei wird von einer durchschnittlichen Helligkeitsverteilung ausgegangen (hier im Spotbereich).
Im Studio hatte ich immer wieder das Problem, dass zwischen weißem Hintergrund und Aufnahmegegenstand oder Model die Helligkeistsunterschiede zu groß und das nicht alle Lichtquellen gut aufeinander abgestimmt waren. Am Histogramm konnte ich das nicht erkennen und der Monitor der Kamera lässt eine Beurteilung nur sehr oberflächlich zu (2,5 bis 3,0 Zoll). Die Übertragung der Bilder auf das Notebook nach jeder neuen Einstellung sind sehr mühsam und manchmal hinderlich. Mit dem Belichtungsmesser habe ich einige Probleme beseitigen können. Folgende Vorteile sehe ich persönlich:

  • exakte Messung des Lichts durch Lichtmessung (und nicht Objektmessung)
  • bei Einsatz der Diffusorscheibe (statt Kalotte) auch Bewertung einzelner Lichtquellen möglich
  • Belichtung stimmt beim ersten Mal und muss nicht durch Trial and Error ermittelt werden
  • direkte Messung der Helligkeitsunterschiede im Bildaufbau möglich
  • komplizierte Lichtsituationen (outdoor) können schnell gemessen werden
  • Änderungen der Lichtquellen können sofort eingemessen werden
  • den psychologischen Faktor vor Kunden sollte man nicht vernachlässigen 😉

 

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Belichtungsmesser out of the box

 

Technik des Minolta Auto Meter VF

Der Minolta Auto Meter VF ist der dirkete Nachfolger des Minolta Auto Meter IVF. Die Veränderung zum Vorgängermodell ist nicht sehr groß ausgefallen. Interessantes neues Detail ist die Lichtmengenverteilung zwischen Blitz- und Normallicht, welche in einem viersegmentigen Kreis dargestellt wird, der in 25-Prozent-Schritten die ungefähre Verteilung zeigt. Auch die Voreinstellung der Werte beim Einschalten ist praktisch.

 

Hier die Technischen Daten:

  • Messarten: Licht- und 40°-Objektmessung
  • Messzelle: Silicium-Fotozelle
  • Messkopf-Schwenkbereich: 270°
  • Lichtmessung mit Diffusorkalotte
  • Objektmessung ohne Diffusorkalotte
  • messbare Lichtarten Dauerlicht, Blitzlicht
  • Messblitzsynchronisation ohne oder mit Synchronkabel
  • Empfindlichkeitsbereich ISO 3 bis ISO 8000
  • Verschlusszeiten Dauerlicht 30 min bis 1/8000 s
  • Verschlusszeiten Blitzlicht 1 s bis 1/1000 s
  • Verschlusszeitenintervalle 1/1, 1/2 oder 1/3 EV-Stufen
  • Messbereich Lichtmessung -2 EV bis 19,9 EV (bei ISO 100)
  • Messbereich Objektmessung +2 EV bis 19,9 EV (bei ISO 100)
  • Anzeigebereich -17 EV bis 40,8 EV (je nach ISO)
  • Anzeigegenauigkeit ±0,1 EV
  • speicherbare Messwerte 2 Werte für Mittelwert
  • Blendenbereich Lichtmessg. 1 bis 128 + 9/10
  • Blendenbereich Objektmessg. 1 bis 90 + 9/10
  • Helligkeitsdifferenzmessung -10 EV bis +10 EV
  • Blitzanteil an Gesamtlicht 0% bis 100% in 25%-Stufen
  • Stromversorgung 1 Mignonzelle (LR06 / AA)
  • Batteriebetriebsdauer ca. 50 h Dauerlichtmesszeit
  • Größe 157 x 57 x 26 mm (L x B x H)
  • Gewicht 135 g (ohne Batterie)
  • mitgeliefertes Zubehör Umhängegurt, Tasche

 

Schon der Minolta Flash Meter III und der IVF waren für mich gute Begleiter. Der Ver ist die letzte Entwicklungsstufe von Minolta. Der Belichtungsmesser wird fast unverändert von Kenko weiter gebaut und als Kenko Auto Digi Meter KFM-1100 über hapa-team.de vertrieben. Nachfolgend meine Meinung zu den Vor- und Nachteilen des Minolta VF:

  • sehr gute Verarbeitung
  • gleiche Bauform wie Minolta IVF
  • Funktionsumfang des IVF sinnvoll erweitert
  • Display sehr gut ablesbar
  • Feeling sehr gut (Oberflächenfinish angenehm)
  • ergonomische Bedienung (alle Knöpfe gut bedienbar)
  • praktische Tasche
  • sehr gute Bedienungsanleitung
  • es können Mignon-Akkus verwendet werden
  • neu relativ teuer und gebraucht leider ebenfalls
  • Abdeckung Synchronbuchse taugt nix

 

 

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Kalotte kann insgesamt um 270 Grad gedreht werden

 

Die Funktionen für Blitzaufnahmen sind sehr gut. Praktisch ist die Anzeige der ungefähren Helligkeitsverteilung zwischen Blitz- und Umgebungslicht in 25-Prozent-Stufen. Der doppelte Speicher und die Mittelwertfunktion helfen den Dynamikumfang besser einschätzen zu können. Auch viele Messfühler können mit dem Minolta genutzt werden. Es gibt Aufsätze für Spotmessung und eine andere flache Diffusorscheibe (Lichtmessung gerichteter).

 

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Rückseite mit Batteriefach (R6-Batterie oder Akku)

 

Alternativen zum Minolta Auto Meter VF

Leider wird der Minolta nicht mehr produziert. Dafür hat Kenko ihn im Programm (KFM 1100 – hier das Review – baugleich in grau).  Als Alternativen bieten sich die ebenfalls sehr guten Belichtungsmesser Sekonic L-358 Flash Master und Gossen Starlite 2 bzw. deren Nachfolger an. Auch der Sekonic Studio Deluxe III ist ein cooler Beli.

 

 

 

Minolta III

Zum Vergleich hier noch einige Bilder des Minolta III. Die Qualität des Belichtungsmessers ist auch sehr gut. Natürlich verfügt er nicht über die Funktionsvielfalt und hat ein deutlich schlechteres Display. Trotzdem eignet sich dieser ältere Belichtungsmesser für die meisten Aufgaben im Studio oder draußen.

 

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Minolta mit Tasche

 

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Kalotte ebenfalls schwenkbar

 

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Rückseite Minolta III

 

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schmale Bauform

 

Damals mussten die Altvorderen noch mit solchen Schätzchen auskommen:

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alter Werralux

 

Weitere Belichtungsmesser:

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