Negativentwicklung s/w

Schwarz-Weiß-Filme selbst entwickeln.

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Kodak TMAX 100 entwickelt in ID11 1+1

 

Negative selbst entwickeln?

Wer in die schwarz-weiße Analogwelt der Fotografie eintauchen will, sollte seine Filme auch selbst entwickeln. Das schafft kontinuierliche Qualität und nebenbei auch noch Spaß und Spannung. Wer zum ersten Mal einen selbst entwickelten Film aus der Entwicklerdose zieht, sieht mit mit Spannung die glänzenden scharfen Negative und somit auch das Ergebnis seiner fotografischen Arbeit in einem ganz anderen Licht. Der handwerkliche Prozess unterstützt das fotografische Spiel mit Licht und Schatten um eine neue Dimension. Vor dem geistigen Auge wird immer wieder das Bild des glänzenden Negativstreifen auftauchen, der das Fotografieren im handwerklichen Part noch einmal verstärkt. Das Entwicklen ist ganz einfach und die Kosten halten sich in Grenzen. Nur einige wenige Dinge und eine Anleitung werden benötigt.

 

Das Material

Um den Film zu entwickeln, sind folgende Materialien notwendig:

  • Entwicklerdose für einen KB-Film (dürfen auch mehr hinien passen)
  • Mensur, um die Mengen abzumessen (300 ml sind schon ausreichend)
  • Uhr, besser Laboruhr (aber die Quarkuhr am Handgelenk macht es auch)
  • Schere, Filmklammer oben und unten, Thermometer (15-30 Grad ungefähr)

Beim ersten Film spielt es noch nicht so sehr eine Rolle, ob der Film nun einhundertprozentig zum Entwickler passt oder umgekehrt. Beim ersten Mal sollte das Erfolgserlebnis im Vordergrund stehen. Später kann man an den Feinheiten herumschnitzen und sich um Entwickler, Empfindlichkeiten, Gradationskurven und Korn kümmern.

 

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Materialien und Chemikalien

 

Dann fehlt noch die Chemie:

  • Entwickler, halbwegs passend zum Film (ID11 oder Rodinal zum Anfang ok)
  • Stoppbad (kleine Flasche reicht, braucht man wenig)
  • Fixierbad für Filme (Fabrikat egal)
  • Wasser (man muss keinen Wasseranschluss haben (Kanister mit 5-10 Liter genügt)

Schön wäre natürlich ein gefliestes Bad, welches man auch noch verdunkeln kann. Wer keinen absolut dunklen Raum hat, muss sich einen sogenannten Wechselsack kaufen oder selbst basteln (nähen lassen). Dann aber unbedingt lichtdichtes Material nehmen (ist relativ preiswert). Eine Dunkelkammer ist natürlich optimal – man kann sie auch selbst bauen.

 

Die Entwicklung

Bevor die Entwicklung losgehen kann, muss der Entwickler angesetzt werden. Auf der Verpackung oder Flasche gibt es dazu eine Anleitung. Zum Entwicklen muss dann die entsprechende Verdünnung (ebenfalls laut) Anleitung gewählt werden.
Wenn ich den ID11 (Pulver) benutze, muss ich vorher das Pulver laut Anleitung auflösen und eine Stammlösung ansetzen. Für die Entwicklung verdünnen ich dann diese Stammlösung 1 zu 1 (1+1) mit Wasser und temperiere durch die Wassertemperatur gleich meine Entwicklerlösung, so dass ich nicht mehr viel erwärmen oder abkühlen muss. Die fertige Lösung nennt sich dann ID11 1+1 und besteht aus einem Teil Stammlösung und einem Teil Wasser. Ich setze nur soviel Entwicklungslösung an, wie ich für meine Filme gerade brauche, der Rest bleibt als Stammlösung unverdünnt in lichtdichten Flaschen. Bisher habe ich kein Protectan oder ähnliche Mittel benutzt, um sie haltbarer zu machen. Da ich die Stammlösung in den nächsten drei Monaten verbrauche und immer nur 1-Liter-Flaschen verwende, welche maximal 4 Wochen angebrochen wurden, erübrigt sich das auch.

Das Stoppbad und den Fixierer setze ich ebenfalls nach Anleitung an, jeweils die benötigte Menge für meine Entwicklung.

 

Dann geht es los:

1. Schritt (hell):

Filmende abschneiden und Film leicht anschrägen für besseres Einfädeln.

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2. Schritt (hell):

Filmende ein kleines Stück in die Spirale schieben (nicht weiter im Hellen!)

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3. Schritt (dunkel):

Film im Dunkeln! in die Spirale einfädeln und das Ende vor der Patrone abschneiden. Mit einem alten Film unbedingt vorher mal im Hellen probieren! Der Film lässt sich einfacher einspulen, wenn er nicht frisch aus der Kamera kommt, sondern wenigstens ein paar Stunden in der Dose eingerollt war.

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4. Schritt (dunkel):

Spirale richtig herum (eventuell mit Führungshülse, je nach Dose) im Dunkeln! in die Dose bringen. Dann den Deckel drauf und fest verschließen (je nach Dose). Vorher trocken üben.

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5. Schritt (hell):

Entwickler auf Temperatur bringen und in die Dose kippen (ab hier läuft die Zeit!). Dose kräftig auf der Unterlage aufstoßen, damit die Bläschen auf dem Film abperlen. Je nach Kippanleitung (laut Entwickler) nun die ersten Kippbewegungen machen. Meist dann eine halbe Minute oder Minute warten und wieder ein- oder zweimal kippen. Der Kipprythmus steht meist auf der Anleitung, ansonsten das erste Mal einfach alle halbe Minute einmal kippen und am Anfang drei/viermal. Später wird man einen genauen Kipprythmus beibehalten oder eine Maschine benutzen. Nach der erforderlichen Zeit (Ausgießen zählt mit!) den Entwickler in einen Auffangbehälter (Kanister, Flasche) gießen. Ein Trichter ist dabei sinnvoll.
Mein ID11 1+1 braucht für einen 100er TMAX 20 Grad Temperatur und dann entwickle ich 11 Minuten lang (am Anfang dreimal kippen, sonst jede Minute). Meist benutze ich jedoch die Maschine (CPE oder ATL) wegen der besseren Gleichmäßigkeit der Ergebnisse.

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6. Schritt (hell):

Stoppbad gleich nach dem Entwicklungsvorgang eingießen und Dose mehrmals kippen. Die Entwicklung wird nun gestoppt. Dauer meist eine Minute (mach ich immer so). Temperatur muss nur ungefähr stimmen (plus/minus 2 Grad kein Problem).Stoppbad wieder ausgießen.

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7. Schritt (hell):

Nach dem Stoppbad nun den Fixierer eingießen und nach Anleitung fixieren. Temperatur ist ebenfalls unkritisch (plus/minus 2 Grad). Die Dauer richtet sich nach dem Film und ist auf der Packung oder Flasche angegeben. Ich verwende Superfix und fixiere den TMAX zwischen 4 und 6 Minuten. Eher etwas mehr, weil die Kodakfilme manchmal nicht ausfixiert sind. Die Fixierzeit wird sich bei Mehrfachbenutzung des Fixierers verlängern. Ich nehme ihn meist nur einmal (ist dann aber etwas teurer). Wenn man den abgeschnittenen Filmschnipsel in das Fixierbad taucht (in einem kleinen Glas), wird er nach einiger Zeit ganz klar. Diese Zeit nennt sich Klärzeit. Nun noch einmal die gleiche Zeit fixieren und der Film ist ausfixiert. Das Fixierbad enthält Silber und gehört nicht in den Ausguss. Am besten in einem größeren Kanister sammeln und dann mal bei der Müllentsorgung vorbei bringen.

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8. Schritt (hell):

Jetzt den Film Wässern. Das Wässern mit fließend Wasser ist nicht sinnvoll und auch nicht umweltschondend. Wer jedoch fleißend wässert, sollte darauf achten, dass die Temperaur des Wassersin der Nähe der Entwicklertemperatur bleibt (plus/minus 5 Grad). Zu kaltes Wasser führt zu Runzelkorn und zu heiße Wässerung kann die Schicht anlösen/ablösen und den Film empfindlicher gegen Beschädigungen machen. Einfaches Wässern mache ich immer so: Dose füllen ein paar mal kippen, ausgießen; Dose wieder füllen, 10 mal kippen, ausgießen, Dose füllen und 20 mal kippen und dann zur Sicherheit noch einmal mit 40 mal kippen. Meine Maschinen wässern nicht so gründlich…

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9. Schritt (hell):

Film nun mit einer Filmklammer oben aufhängen. Um Schlieren und Wasserflecken zu vermeiden, sollte nun ein Netzmittel benutzt werden. Vom Netzmittel wird in einen Topf (oder Schüssel) ein wenig (einige Tropfen) hinein gegeben und mit Wasser aufgefüllt. Nun den Film einige Male durch das Wasser schwenken, so dass alles schön benetzt ist. Den Film aufhängen und mit zwei Fingern (welche mit dem Wasser befeuchtet wurden) nun das Wasser von oben nach unten abstreifen (z.B. zwischen Mittel- und Zeigefinger). Wer Bauarbeiterhände mit Hornhaut hat, sollte das bleiben lassen und eine Abstreifzange kaufen. Eine kleine Flasche Netzmittel reicht ewig. Den Film unten mit einer beschwerten Filmklammer beschweren. Die Filme sollten nun in einem staubfreien Raum in Ruhe trocknen können, sonst setzen sich viele Fusseln darauf ab, welche beim Vergrößern sehr zu sehen sind und viel Nacharbeit erfordern. Besser sind natürlich Trockner, welche den Film schützen und mit warmer Luft den Film in einer halben Stunde getrocknet haben.

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Fehler

Wenn Licht an den Film kommt, sieht das so aus, wie in dem folgenden Beispiel. Rechts war der Film aus der Spule gezogen und durch kurzzeitiges Öffnen bei sehr wenig Licht ist der komplette Film an der oberen Kante schwarz geworden. Zum Glück nicht bis auf die Bildfläche, denn dann wären alle Negative hinüber.

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Und nun?

Wer seine Negative entwickelt hat, wird feststellen, dass sie eventuell noch verbesserungswürdig sind. Also muss die Film/Entwicklerkombination eingetestet werden, damit der Film in einer schönen Gradation entwickelt wird und man auch die Filmempfindlichkeit ausnutzen kann. Dazu später mehr.
Nun darf vergrößert oder gescannt werden…

 

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trocknen auf der Leine

 

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