Unimog 435 Vorgelege abdichten – Demontage

Abdichtung der Vorgelege beim Unimog 435 U1300L

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demontiertes Vorgelege Unimog 435

 

Vorgeschichte und Daten

Die beiden hinteren Vorgelege, vor allem das auf der rechten Seite, füllen sich langsam mit dem Öl aus dem Differential auf. Die Vorgelege musste ich regelmäßig ablassen und das Diff wieder auffüllen. Nach außen tritt kein Öl aus. Die verwendeten Öle im Diff und Vorgelege sind identisch, so dass zumindest von dieser Seite kein Problem entsteht. Der innere Dichtring wird defekt sein, den Äußeren habe ich sicherheitshalber mitbestellt.

In meinem Mog ist hinten eine Achse mit Nummer 747.111 verbaut.

Im hinteren Vorgelege sind zwei Wellendichtringe verbaut:

  • Wellendichtring (und Verschleißring) an der Radnabe A 016 997 7547 (62,86 Euro)
  • Wellendichtring im Achsschenkel (hinter dem Antriebsrad) A 004 997 1347 (5,87 Euro)
  • der Wellendichtring im Achstragrohr ist nur in der VA

 

Vorbereitung

Was braucht man alles, um die Dichtungen zu erneuern?

 

Werkzeug

  • entsprechenden Nusskasten, Ringschlüssel, Gabelschlüssel
  • Drehmomentschlüssel bis 400 Nm
  • Radkreuz, Schlagschrauber oder Schlüssel SW24/SW22 mit Verlängerung
  • 2x Sonderwerkzeug 27 (Montagedorn 424 589 00 15 00) oder Eigenbau des Dorns
  • 3x Montagedorn für einfachen Ausbau des Vorgeleges (Eigenbau, siehe unten)
  • Ölwanne

 

Ersatzteile

  • Wellendichtring Radnabe (wenn benötigt, A 016 997 7547)
  • Wellendichtring Achsschenkel (A 004 997 1347)
  • Getriebeöl Syntrax Universal Plus 75W-90 (oder ähnlich)
  • dauerelastisches Dichtmittel für die Getriebeflächen, z.B. Elring Dirko HT rot

 

Demontage

Für eine sichere Reparatur muss der Mog ordentlich aufgebockt werden. Die Achse muss angehoben werden, damit der Radausbau erfolgen kann. Da die Federspeicher gelöst werden, muss der Mog gegen wegrollen ordentlich gesichert werden.

 

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stabile Unterlage (Eigenbau) und 5-Tonnen-Dreibock plus Heber halten die Achse

 

Als erstes das Rad abbauen. Ich habe mit meinem Akkuschlagschrauber die Radmuttern leicht lösen können. Ist das Rad abgebaut, sollte der Federspeicher gelöst werden. Dazu einfach ein Stück Holz nehmen und mit dem Hammer auf das am Federspeicher angesetzte Holzstück den Speicher lösen – siehe Bild. Das geht relativ einfach und man benötigt auch nicht viel Schwung. Anschließend den Bolzen aus dem Federspeicher herausschlagen – hierbei das Gabelmaul etwas abstützen am Bremssattel.

 

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der Akkuschlagschrauber von Ingersoll schafft die Radmuttern mühelos

 

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an dieser Stelle ein Stück Holz ansetzen in Richtung Bremshebel und mit einem Hammer lösen

 

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Bolzen herausschlagen und dabei das Gabelmaul am Bremssattel abstützen

 

Zwei Nabenschrauben herausschrauben und 2x das Sonderwerkzeug Nr. 27 (424 589 00 15 00) oder den Eigenbau in die freien Löcher einschrauben, damit die Bremsscheibe einfacher demontiert werden kann. Man benötigt die Dorne nicht unbedingt, aber der Ausbau gestaltet sich doch schon stressfreier und man muss das Gewicht der Nabe und Scheibe nicht halten. Sollte die Bremsscheibe zu fest zwischen den Bremsbacken sitzen, sollten diese etwas gelöst werden. Die entsprechenden Schrauben sind in den Bildern dargestellt.

 

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Hilfsdorne sind in zwei Schraubenlöcher eingesetzt und etwas eingedreht

 

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Nabe bereits abgenommen, Bremsscheibe hängt auf den Dornen

 

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äußeren Bremsbelag lösen: äußere Mutter lösen und innen Inbus eindrehen

 

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inneren Bremsbelag lösen: Abdeckmutter abschrauben und innen Inbus eindrehen (oder ausdrehen)

 

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Bremsscheibe lässt sich nun herausschwenken und abnehmen

 

Nun können auch die drei Abdeckbleche demontiert und das Öl aus dem Vorgelege abgelassen werden. Es wird ein zeitlang nachtropfen, so dass ab jetzt die Ölwanne immer an Ort und Stelle verbleiben sollte.

 

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die demontierten Abdeckbleche

 

Jetzt kann der Bremssattel demontiert werden. Dazu erst die Leitungsschelle an der Achse lösen, damit die Bremsleitung mehr Spielraum hat, denn ich habe die Leitung nicht demontiert, was im Werkstatthandbuch auch empfohlen wird. Der Bremssattel wird mittels zweier Schrauben gehalten – eine davon ist eine Passschraube (manchmal auch beide) und sollte beim Zusammenbau wieder an die gleiche Stelle. Es sollten die hinteren Muttern gelöst werden, denn der Platz an der Außenseite ist gering und der Kraftaufwand um einiges höher, denn die Schraube müsste ja in der Passung mitgedreht werden. Wenn man den Schlagschrauber nutzen möchte, empfiehlt sich ein Knickgelenk. Damit ließ sich die obere Mutter zügig lösen. Die untere Mutter liegt freier, so dass auch ohne Gelenk gearbeitet werden kann. Bevor die Bolzen gezogen werden, muss der Sattel so gesichert werden, dass er zur Seite geschwenkt werden kann ohne die Leitung zu belasten.

 

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oberer Bremssattelbolzen

 

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Bremssattel demontiert und zur Seite geschwenkt

 

Jetzt kann man den vorderen Dichtring sehen und den Verschleißring herausnehmen. Diesen sollte man auf Riefen untersuchen und den Dichtring auf Verschleiß. Sollte das Vorgeleg vorher dicht gewesen sein, kann der Ring drin bleiben, wenn er keine sichtbaren Schäden aufweist oder verhärtet ist.

Nun 2 obere (Innensechskant) und 1 untere (Außensechskant) Vorgelegeschraube herausschrauben und durch Hilfsdorne ersetzen. Sie erleichtern das Auseinandernehmen des Vorgeleges erheblich und sind einfach aus einer M12x1,5×100 Feingewindeschraube hergestellt, indem der Kopf abgesägt und das Ende angefast wurde. Danach die anderen 4 oberen Innensechskantschrauben und die restlichen unteren 5 Außensechskantschrauben auch abschrauben. Das Vorgelege kann nun mit einem Schonhammer geöffnet werden. Es rutscht dann langsam auf den Hilfsdornen nach außen. Sollte die Welle mit herausgezogen werden, diese durch leichtes Ankanten des äußeren Vorgelegeteils wieder zurück schieben – das geht relativ einfach. Damit bleibt die Welle im Achsrohr und muss nicht mit dem Vorgelege herausgehoben werden.

 

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Hilfsdorn eingesetzt

 

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Vorgelege gleitet auf den Hilfsdornen nach außen

 

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Vorgelege abgenommen – Dichtring und Welle sind zu sehen

 

Montage folgt hier im zweiten Teil.

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