Recorder Sony TC-D5 Pro II und M

Der Kultrekorder

Sony TC-D5 Pro II – Front

 

Mittlerweile gibt es ein Video dazu auf meinem YT-Kanal: Sony TC-D5 PRO II

 

Back to the roots

Im Zuge meines 16mm-Filmprojektes kommt natürlich auch Ton zum Tragen. Um standes- und zeitgemäß den Ton vor Ort zu konservieren musste die adäquate Technik her. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich also mit den Möglichkeiten der Tonaufnahme auf Band. Immer wieder kreuzte ein kleiner Rekorder meinen Weg – der Sony TC-D5. Was mich an diesem kleinen Gerät am meisten beeindruckt hat, war die lange Produktionszeit (1978 bis 2004) und die hohe Qualität, die sich im harten Reporteralltag beweisen musste. Passt in die Kategorie Leica, Arri, Mercedes Benz W123 oder Manfred Krug. Für die Ewigkeit gebaut und auch so lange produziert.

 

das letzte Modell der Serie – der TC-D5 Pro II

 

Die Modelle

Es gab innerhalb der TC-D5-Serie nur kleine Veränderungen, was für das ganze System spricht. Hier die Einführung der einzelnen Modelle:

  • 1978 Sony TC-D5
  • 1979 Sony TC-D5 M
  • 1982 Sony TC-D5 Pro
  • 1986 Sony TC-D5 Pro II

 

TC-D5 Pro II (1986) und TC-D5 M (1979)

 

 

Die Unterschiede sind vor allem in den Anschlüssen (und der internen Technik) zu finden:

  • TC-D5M: Input – Cinch und Klinke für Mikrofon; Output – Cinch; Kopfhörer – Klinke
  • TC-D5 Pro: Input – XLR für Line in und Mikrofon; Output – Cinch; Kopfhörer – Klinke

 

Die technischen Daten

Das kleine Ding hatte es in sich – Technik vom Feinsten und für das große Kino gerüstet – ok, nicht ganz. Aber für’s Fernsehen hat es immer gereicht. Wochenschauton kam oft aus dem kleinen Sony. Ich habe hier noch eine originale Kassette mit Aufnahmen von Helmut Kohl aus einem Interview 😉 (siehe unten).

Der Kleine wurde sogar Hifi-Freunden gerecht, denn die servogesteuerte Antriebswelle verhinderte störende Gleichlaufschwankungen und der F-und-F-Tonkopf hat eine 200-fache Lebensdauer gegenüber den sonst verbauten Magnetköpfen. Außeerdem gab es DOLBY-Rauschunterdrückung und die schöne Aussteuerungsanzeige mit den Spitzenpegeln per LED. Die Dämpfung von hohen Signalen konnte über ein Dämpfungsglied realisiert werden und einen Limiter gab es auch. Zur optimalen Aussteuerung der Bänder gab es einen Bandsortenschalter und plus Abtastung der Kassette ergab das vier Möglichkeiten für die Bandwahl.

 

die Ein- und Ausgänge des Pro II mit professionellen XLR-Buchsen – inkl. Eingangsdämpungsschalter (20 dB)

 

der TC-D5 M hatte statt XLR Klinkeneingänge aber zusätzlich Cinch-Eingänge für Line-In

 

Der interne DC-DC-Transverter mach aus den gebotenen 3V oder sogar nur 2,5 Volt der Akkus dann 12V für einen internen Betrieb. Das funktioniert sehr gut und auch stabil. Mit der relativ hohen Spannung kann auch die Qualität der Elektronik gehalten werden, so dass auch die Verstärker gut arbeiten können. Der TC hat einen Capstan-Antrieb (englische Bezeichnung für die Spillwinde), hier wird für die Gleichmäßigkeit der Bandgeschwindigkeit eine Welle angetrieben, die das Band am Tonkopf vorbeizieht (plus Gummiandruckrolle). Das ist ein Grund, warum der kleine Apparat eine vernünftige Qualität liefert.

 

Technische Daten:

  • Hersteller: Sony Corporation; Tokyo
  • Spannungsversorgung: Netzgerät 6 Volt oder 2 x 1,5 Volt Batterien; Akkus funktionieren auch lange genug
  • Steckdoese: USA 120 V with type AC-61; Europe 110, 127, 220, 240 V with type AC-122
  • Mobil: Car-Adapter 12 V
  • Abmessungen (Breite/Höhe/Tiefe) 237 x 48 x 168 mm / 9.3 x 1.9 x 6.6 inch (alle Modelle)
  • Aufnahme: Stereo
  • Player: über Kopfhörer Stereo; im Gerät Monolautsprecher als Kontrolle
  • Input M-Modell: Line-In über Cinch, Mikrofon Stero über 2x Klinke 6,3mm
  • Input Pro-Modell: Line-In über Mikroeingang, Mikrofon Stero über 2x XLR, 3-polig
  • DOLBY-Rauschunterdrückung
  • Aussteuerung: VU-meters, Limiter, Spitzenpegel-LED
  • Nettogewicht 1.7 kg / 3 lb 11.9 oz (3.744 lb)
  • Empfindlichkeit Mikrofoneingang 0,25mV (-70dB)

 

die Stromversorgung mobil: Mono (D) als Batterie oder Akkus (Amazon)

 

Im Betrieb – Tipps

Man muss nur wenige Dinge beachten, wenn man lange Freude an dem Gerät haben möchte. Aufnahmen sollten immer per Akku erfolgen, um Netzeinstreuungen zu vermeiden. Die Batterien halten ca. 1,5 bis 2 Stunden, ja nach Temperatur. Wenn es richtig kalt ist, hört es auch früher auf. Wer nur abspielt, wird damit deutlich länger auskommen. Besser sind Akkus – es gibt gute NiMH-Akkus (Amazon) mit sage und schreibe 10.000 mAh und die Dinger halten einfach ewig (nicht die 5.000er nehmen). Gut vier Stunden sind schon drin und beim Abspielen deutlich länger.

Hinweise zum Entmagnetisierer ganz unten.

 

die VU-Meter und links oben die REC-LED, daneben die Spitzepegel-LED PEAK

 

Die Aussteuerung der beiden Kanäle kann getrennt erfolgen. Manchmal scheint das nicht zu gehen – siehe weiter unten in der Fehleranalyse. Die Aussteuerung soll so erfolgen, dass die Spitzen-LED nur ab und an aufleuchtet und der Pegel möglichst bei Null steht und nur sporadisch in den roten Bereich geht. Bei Aufnahmen mit dem Mikro muss man aufpassen, dass der Spitzenpegel nicht dauernd rot wird – am besten lässt sich das durch Abstandsveränderung zum Interviewpartner erreichen – da muss man halt üben. Bei extrem lauten Pegeln durch Musikveranstaltungen oder technischen Lärm kann man den Dämpfer einschalten – was aber selten notwendig ist. Ansonsten muss man jedesmal kontrollieren, dass Dämpfer und Limiter immer ausgeschaltet sind, sonst ist die Aufnahme hinüber bzw. geht im Bandrauschen unter. Ich würde DOLBY nicht einsetzen oder zumindest vorab austesten, ob es überhaupt Vorteile bringt.

 

das Gerät mag klassische dynamische Mikrofone  – möglichst auch aus den 80er Jahren 😉

 

Fehlerquellen und Probleme mit alten Geräten

Bevor ich zwei vernünftige Geräte zusammen hatte, ist einige Zeit ins Land gegangen und auch einige Reinfälle gab es dabei. Im Netz werden ja oft Geräte angeboten und es ist schon bezeichnend, wie oft da steht, dass das Gerät einwandfrei funktioniert oder dass man gerade keine Batterien zur Hand hat oder zu blöd ist, welche einzulegen. Sieht man sich die Geräte dann genauer an, kann man die unprofessionellen Reparaturversuche deutlich erkennen. Natürlich wird das nicht fotografiert und wenn man das hinterher bemängelt, dann wird mit notorischer Blödheit argumentiert, obwohl pro Woche zwei Geräte über den virtuellen Ladentisch gehen. Aber genug gemeckert, zukünftigen Käufern möchte ich daher einige Tipps mit auf den Weg geben, damit sie nicht auch hereinfallen. Die Geräte sind zwar robust aber auch gut genutzt worden und alles hat eine Haltbarkeitsgrenze – das heißt, dass professionell genutzte Geräte auch meist hinüber sind. Sehr gut ist das an den zerfledderten ledernen Hüllen zu erkennen. Sind die Teile in einem erbärmlichen Zustand, dann Hände weg vom Gerät, denn es sieht ebenso aus.

 

die Fehler treten bei allen Modellen auf

 

Hier mal eine Auflistung von Problemen und Fehlern, die euch so über den Weg laufen werden, solltet ihr mit dem Gerät liebäugeln:

Sichtbare Mängel:

  • Lederhülle verschlissen – Zeichen für stark gebrauchtes Gerät – Finger weg
  • Plexiglasscheibe der Kassettenabdeckung gebrochen – starker Druck war der Grund
  • Beulen im Gehäuse = professionelle Nutzung oder nicht adäquater Umgang
  • Plexiglasscheibe ist verschoben – kann evtl. repariert werden, wenn weiter nichts defekt ist
  • Schrammen am Gehäuse = professionelle Nutzung
  • Schraubenköpfe blank oder abgenutzt – Gerät wurde mehrfach geöffnet – warum auch immer – Finger weg
  • Tasten hängen – Federn fehlen oder gebrochene Teile – evtl. Reparatur möglich
  • Batterieklappe fehlt – es gibt keinen Ersatz
  • Verschluss der Batterieklappe fehlt – ebenfalls kaum Ersatz möglich
  • Potentiometerkappen abgenutzt = starke professionelle Nutzung oder falscher Umgang mit dem Gerät
  • starke Verschmutzung, vor allem in den Lautsprechervertiefungen – schlechter Umgang mit dem Gerät
  • Abspielen geht nicht oder eiert = Riemen im Eimer – kann repariert werden
  • Metal-Druckhebel klemmt – meist verdreckt und mit Gewalt verbogen worden – kann repariert werden

 

 

Nicht sichtbare Mängel:

  • nichts geht mehr – kann alles Mögliche sein – oft geht es schon am DC-DC-Wandler los
  • große Potentiometerkappe für Pegel lässt sich nicht verstellen – innere Klebung gelöst – kann repariert werden
  • Kratzen beim Monitor verstellen – Poti verdreckt – kann gesäubert werden
  • Schaumstoffpolster haben sich aufgelöst – Kleber hat sich verteilt – kann man säubern, dauert aber

 

Im Inneren kann natürlich alles defekt sein. Wenn also nichts mehr geht, sollte man die Finger von dem Gerät lassen, denn es haben sicher schon einige daran herumgeschraubt und oft mehr kaputt gemacht, als zu reparieren. Leider sind meist die Riemen ausgeleiert, so dass man das ganze Gerät zerlegen muss. Wer keine gute Werkstatt in der Nähe hat, der sollte also von einem Kauf Abstand nehmen. Die meisten Werkstätten nehmen so ein Gerät überhaupt nicht mehr an.

 

eine super Kassette für Tonaufnahmen

 

Praxis

Wenn man erst einmal die Abkehr geschafft hat von seinem iPhone X, dann hat man wieder ein Stück Entschleunigung geschafft. Von wegen mal eben zum Titel 23 springen oder eine neue Playlist erstellen – nix da! Eine Aufnahme von Titeln dauert genauso lange, wie das Abspielen – also nicht einfach herunterladen in 5 Minuten. Alles dauert deutlich länger und wenn man Musik hören will, dann hat das immer mit echten Handgriffen zu tun. Ich erwische mich manchmal dabei, dass ich mit dem Monolautsprecher des kleinen Sony einfach Musik höre – keine Ahnung warum – hört sich irgendwie anders an. Kassetten sind elend teuer, wenn sie was taugen sollen und man kann auch nicht 2.375 Titel mitnehmen, sondern nur seine 15 Lieblingskassetten – der Umgang mit der Musik wird wieder anders – genau wie beim analogen Film. Wer es nicht ausprobiert, der wird es eh nicht glauben. Blöderweise kostet eine Sony UX-Pro-Kassette (manchmal bei Amazon) zwischen 5 und 15 Euro, was natürlich auch nie besser werden wird, da die Produktion eingestellt ist. Aber auch die preiswerten Kassetten sind für den normalen Hörgenuss völlig ok aber bitte keine 100er oder 120er Kassetten benutzen – das funktioniert vor allem bei kaum gewarteten Geräten überhaupt nicht. Mit dem Bandrauschen bei sehr leisen Tönen wird man sich arrangieren und irgendwann fehlt es, wenn man mal wieder aus der Telefonkonserve seine Lieder hört.

In relativ kurzer Zeit hat man sich an das Gerät gewöhnt und die Größe, das Gewicht und das Procedere werden als normal assimiliert.

 

der TC-D5 M in einem schönen Zustand – immerhin 37 Jahre alt

 

Wer Technik mag, wird viel Spaß mit dem Gerät haben – alles ist in sehr hoher Qualität gefertigt und die Haptik des Gerätes ist einfach phänomenal. Dabei passt auch noch die die Qualität der Aufnahme, was ja bei so kleinen Geräten nicht immer der Fall ist.

 

Hier ist das Interview mit Kohl drauf – in seinem typischen Slang und im Jahr vor der Maueröffnung. Echte deutsche Geschichte.

 

Hinweis

Wer bemerkt, dass seine Aufnahmen dumpfer oder allgemein schlechter werden, sollte die Tonköpfe entmagnetisieren. Dazu gibt es einen Entmagnetisierer (Amazon), welcher zwar lustig zu bedienen ist aber auch wirksam hilft.

 

Viel Glück beim Kauf und viel Spaß beim Musik hören!

 

Hinweis:

In diesem Beitrag werden interne und externe Links verwendet. Interne Links führen auf meine eigene Website und sind nicht näher gekennzeichnet. Externe Links zu Amazon sind mit einem zusätzliche Hinweis gekennzeichnet. Wer Produkte über diese Links bei Amazon erwirbt zahlt nicht mehr aber ein kleiner Teil des Erlöses kommt mir zugute. Vielen Dank für die Nutzung!

 

Amazon-Links:

Der Entmagnetisierer

Akkus mit 10.000 mAh

Sony UX-Pro-Kassette

 

  5 comments for “Recorder Sony TC-D5 Pro II und M

  1. Ernst Petry
    13. Februar 2018 at 18:59

    Hallo,

    sehr interessant!
    Wo und wie sind die Ausgänge zwecks Filmvertonung ?

    Vielen Dank und Grüsse

    • vesab
      13. Februar 2018 at 20:08

      Hallo Ernst, danke. Ja für einen kleinen Film im Sommer. der wird mit einer Arriflex 16 gedreht und mit dem TC-D5 vertont. Die Kamera kommt demnächst auf die Homepage. cu Tom

    • vesab
      20. Juni 2018 at 12:27

      Vergessen: Die Ausgänge gehen über die Cinch-Buchsen L/R. Sieht man oben auf den Bildern der beiden Geräte. cu Tom

  2. Udo
    1. April 2018 at 20:57

    Hallo Tom,

    ein TCD 5M habe ich auch noch 😉

    Also, wenn Du wirklich gute Qualität bei der Vertonung mit Deinen Arriflex Aufnahmen willst (und richtig synchron), besorg Dir ein Uher Report 1200 Synchro und die entsprechende Synchronizer Einheit dazu. Das Report nimmt die Synchron Impulse von der Camera mit auf eine Spur und der Synchronizer macht seinen Job bei der Wiedergabe.

    Gruss, Udo (DL 8 WP)

    • vesab
      2. April 2018 at 12:50

      Hi Udo, danke für den Tipp. Bin jetzt auf Arri 16SRII gegangen, die kann Timecode ausgeben und ist quarzgenau. Am einfachsten ist Ton mit einem DAT oder gleich mit SSD-Aufnahme. Mal sehen. cu Tom

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