Ballistische Rechner für die Flugbahn
letzte Aktualisierung 25.05.2026
Das Video zum Beitrag:

Ballistik berechnen: Apps, Kestrel, Garmin, Calypso und Applied Ballistics
In diesem Beitrag geht es nicht darum, die Ballistik selbst vollständig zu erklären. Es geht um die praktische Frage, womit man auf dem Schießstand oder im Wettkampf die Flugbahn berechnen kann.
Ich zeige die Geräte, Apps und Programme, die ich selbst benutzt habe oder aktuell benutze. Der wichtigste Punkt vorweg: Die meisten brauchbaren Systeme rechnen heute sehr ähnlich. Entscheidend ist deshalb weniger die reine Rechenleistung, sondern die Frage, welches System zum eigenen Einsatz passt.
Smartphone Apps
Die günstigste Lösung ist eine Ballistik App auf dem Smartphone. Früher habe ich viele Jahre Strelok Pro benutzt. Heute nutze ich andere Programme, weil es inzwischen sehr gute Alternativen gibt.
Eine einfache und brauchbare App ist ChairGun Elite Ballistic Tool. Sie funktioniert vom Grundprinzip ähnlich wie andere Ballistik Apps: Daten eingeben, Flugbahn berechnen, Korrekturwerte ablesen. Für viele Anwendungen reicht das bereits aus.
Interessanter ist für mich aktuell Applied Ballistics Quantum. Diese App kommt direkt aus dem Applied Ballistics Umfeld. Viele moderne Geräte nutzen ebenfalls Applied Ballistics als Rechenkern. Damit ist die App für mich eine sehr wichtige Lösung, besonders wenn man ohnehin mit AB Daten, Profilen und Drag Modellen arbeitet.

Vorteile und Grenzen von Smartphone Apps
Smartphone Apps sind günstig, schnell verfügbar und meist komfortabel zu bedienen. Der Nachteil liegt im praktischen Einsatz: Regen, Kälte, nasse Anschlüsse, Bedienung mit Handschuhen und ein empfindliches Display können auf der Range zum Problem werden.
Ich habe selbst erlebt, dass ein Telefon bei starkem Regen wegen Feuchtigkeit im Anschluss nicht mehr zuverlässig nutzbar war. Genau dann braucht man aber eine robuste Lösung.
Hier 2 Videos zu den genannten Apps:
Kestrel 5700 Elite
Der Kestrel 5700 Elite ist für mich seit vielen Jahren eine der besten kompakten Lösungen. Er enthält Ballistikrechner, Wettermessung und Windmesser in einem kleinen Gerät.
Das Gerät funktioniert zuverlässig bei Regen, Kälte, Hitze und mit Handschuhen. Man muss sich an die Bedienung gewöhnen, aber dafür bekommt man ein sehr robustes Werkzeug für die Range.
Wichtig ist: Ein Kestrel darf nicht einfach in die Sonne gestellt werden, wenn man daraus eine sinnvolle Temperaturmessung ableiten will. Dann misst man nicht mehr die Lufttemperatur, sondern ein durch Sonne aufgeheiztes Gerät. Also immer eine Minute schleudern vorher (an der Schnur).
Kestrel 5700X WEZ
Das neue Gerät in meiner Ausrüstung ist der Kestrel 5700X WEZ. Er nutzt ebenfalls Applied Ballistics, hat aber zusätzliche Funktionen, die für präzises Schießen besonders interessant sind.
Dazu gehören WEZ, CDF, DSF und statistische Funktionen. Das ist besonders wichtig, wenn man nicht nur eine einzelne Flugbahn berechnen will, sondern Trefferwahrscheinlichkeit, Streuung, Datenqualität und Modellanpassung ernst nimmt.

WEZ steht für Weapon Employment Zone. Damit lässt sich nicht nur eine Korrektur berechnen, sondern auch abschätzen, wie wahrscheinlich ein Treffer unter bestimmten Annahmen ist.
CDF und DSF sind für die Modellanpassung interessant. Damit kann das Rechenmodell besser an reale Daten angepasst werden. Genau solche Funktionen waren früher vor allem in der großen Applied Ballistics Software verfügbar.
Applied Ballistics Software
Die Applied Ballistics Software ist eher eine Lösung für Analyse, Vorbereitung und Datenauswertung. Für die Range ist sie weniger handlich, aber sie bietet seit vielen Jahren Funktionen, die heute auch in modernen Geräten wie dem Kestrel 5700X WEZ auftauchen.
Auf einem robusten Windows Tablet kann man sie theoretisch auch auf der Range einsetzen. Praktisch ist das aber nicht meine erste Empfehlung. Für den Wettkampf oder den schnellen Einsatz sind Kestrel, App oder Uhr meistens sinnvoller.

Garmin tactix mit Applied Ballistics
Eine weitere Möglichkeit ist eine Garmin Uhr mit Applied Ballistics. Ich habe die tactix 7 bereits gezeigt und teste aktuell die tactix 8.
Die Ballistikfunktion auf der Uhr funktioniert grundsätzlich gut. Man kann Profile nutzen, Korrekturen berechnen und hat die Daten direkt am Handgelenk. Für mich ist die Uhr aber eher ein Backup und nicht die Hauptlösung.

Der große Vorteil liegt darin, dass man ein sehr kompaktes Zusatzsystem dabei hat. Gleichzeitig nutze ich die Uhr auch für Training, Belastung und Vorbereitung auf Wettkämpfe.
Laserentfernungsmesser und gekoppelte Systeme
Eine sehr komfortable Lösung entsteht, wenn Entfernungsmesser, Ballistikrechner und Windmessung miteinander gekoppelt werden.
Mit einem Vector X kann man Entfernungen messen und ballistische Daten berechnen. Zusätzlich kann ein Windmesser gekoppelt werden. Dadurch erhält man schneller vollständige Werte für Entfernung, Richtung, Umweltbedingungen und Korrektur.

Das ist besonders komfortabel, wenn man schnell mehrere Ziele erfassen und beschießen muss. Der Nachteil: Man schaut auf das Gerät und ist stärker an dieses Bedienkonzept gebunden.
Calypso Windmesser
Der Calypso ist für mich besonders interessant, weil er dauerhaft Wind messen kann. In Verbindung mit einem Ballistiksystem bekommt man damit laufend aktuelle Winddaten.
Der große Vorteil: Man muss den Calypso nicht wie einen klassischen Handwindmesser immer genau in den Wind halten. Außerdem sieht man drehende Winde sofort.
Gerade im PRS Umfeld ist das ein sehr praktischer Ansatz. Viele Schützen nutzen heute Kombinationen aus Entfernungsmesser, App oder Ballistikgerät und externem Windmesser.
Welche Lösung ist die beste?
Es gibt nicht die eine beste Lösung für alle Anwendungen. Die passende Lösung hängt vom Einsatz ab.
Für wenig Geld reicht eine gute Smartphone App.
Für maximale Robustheit ist ein Kestrel 5700 Elite oder 5700X WEZ sehr stark.
Für Analyse, WEZ und tiefergehende Auswertung ist Applied Ballistics interessant.
Für ein Backup direkt am Körper ist eine Garmin tactix mit Applied Ballistics sinnvoll.
Für viel Komfort im Wettkampf ist eine Kombination aus Laserentfernungsmesser, Ballistiksystem und Calypso Windmesser besonders interessant.
Meine aktuelle Einschätzung
Wenn ich möglichst wenig Technik mitnehmen will, bleibt der Kestrel für mich eine der besten Lösungen. Klein, robust, wetterfest und zuverlässig.
Wenn ich mehr Komfort haben will, wird die Kombination aus Entfernungsmesser, App oder Ballistiksystem und Calypso Windmesser immer interessanter. Genau diese Lösung teste ich aktuell intensiver.
Für die Vorbereitung und die Analyse bleiben Applied Ballistics Quantum, AB Software und die WEZ Funktionen wichtige Werkzeuge.
Fazit
Moderne Ballistikrechner liefern heute sehr brauchbare Ergebnisse. Entscheidend ist nicht nur die Berechnung selbst, sondern das gesamte System: Bedienung, Wetterfestigkeit, Datenqualität, Windmessung, Kopplung und Einsatzszenario.
Apps sind günstig und leistungsfähig. Kestrel Geräte sind robust und bewährt. Garmin Uhren sind gute Backups. Gekoppelte Systeme mit Entfernungsmesser und Calypso bieten viel Komfort.
Am Ende zählt, dass die Lösung zum Schützen, zur Disziplin und zur praktischen Nutzung auf der Range passt.
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