Schweißen WIG

Kurzanleitung für das Wolfram-Inert-Gas-Schweißen

Dies soll kein Bedienungsanleitung sein, ich möchte für Leute, die noch nie geschweißt haben kurz darstellen, wie die Vorgehensweise beim WIG-Schweißen ist.

 

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aus Edelstahl geschweißter Mastfuß

 

Vorbereitungen

Alle Ausrüstungsteile müssen vorhanden sein:

  • Schlauchpaket und Brenner (möglichst mit Fernschalter)
  • Argon-Flasche (es reicht eine 10-Liter-Flasche, besser 2)
  • Druckminderer (Armatur mit zwei Anzeigen und Verbindungsschlauch)
  • Schweißhelm (möglichst Automatikhelm)
  • Schweißhandschuhe (dünne WIG-Fingerhandschuhe oder andere Lederhandschuhe)
  • Wolfram-Elektroden (z.B. 1.6 und 2.4 mm Durchmesser)
  • Schleifer zum Nachschleifen der Wolframelektroden
  • verschiedene Gasdüsen und Brennereinsätze (für die Elektroden)
  • entsprechende Schweißdrähte
  • Werkzeug zur Nahtvor- und Nachbereitung
  • Schraubenschlüssel für Gasflasche und Flaschensicherung
  • Feuerlöscher (es gibt mittlerweile Wassernebellöscher, welche kaum Schaden anrichten)

 

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Automatikhelm – bei einem Schweißbogen verdunkelt er automatisch

 

Elektroden anschleifen

Die Elektroden sollten alle angeschliffen sein. Ich empfehle gleich eine ganze Packung zu kaufen (10 Stück). Wer viele Elektroden benötigt (weil unaufmerksam oder noch Anfänger), kann auch die Elektroden von beiden Seiten anschleifen und hat so die doppelte Anzahl an Schweißspitzen. Der Brenner muss mit der richtigen Düse (je nach Elektrode) ausgestattet sein. Der Elektrodenhalter muss dem Durchmesser der Elektrode entsprechen. Die Spannhülse kann aber auch eine Nummer größer sein. Es können also auch 1.6er Elektroden mit der 2.4er Spannhülse im Brenner festgedreht werden. Zum Anschleifen der Elektroden genügt ein einfacher Baumarktschleifer mit einem feinen Stein (mittlere Körnung geht aber auch). Die Elektroden sollten sehr spitz angeschliffen sein – den Winkel kann man auf den nachfolgenden Bildern erkennen. Nach einem Hinweis von Urs möchte ich darauf hinweisen, dass der Schleifstaub lungenschädigend ist und unbedingt ein Schutz vorgesehen werden sollte.

 

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Wolframelektroden, Düsen und Spannhülsen

 

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angeschliffene Elektroden

 

Aufbau der Schweißanlage

Der Inverter gehört an ein gut abgesichertes 230-V-Netz. 16 A muss die Absicherung betragen. Kabelrollen müssen abgerollt werden, da sie sonst heiß werden. Mein Lorch HT-180 funktioniert im Gegensatz zu vielen anderen Geräten auch noch an Unterspannungen, d.h. es kann auch mal eine Verlängerung mehr sein. Die Gasflasche braucht einen sicheren Standort und muss durch geeignete Maßnahmen gegen Umfallen gesichert werden (ich nehme meist zwei Spanngurte). Dann:

  • Druckarmatur anschrauben (Dichtung nicht vergessen)
  • Verbindungsschlauch zwischen Gasflasche und Inverter anschließen
  • Schlauchpaket an den Inverter anschließen (Strom, Steuerung, Gas)
  • Massekabel anschließen

 

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diese beiden Tasten geben am HT-180 den Gasfluss frei (ca. 1min)

 

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Gasanschluss Inverter (von Argonflasche)

 

Dann Inverter einschalten, Argon aufdrehen, Druck einstellen (ca. 7-12 Liter, je nach Bedingung und Schweißgut). Der Druck kann nur eingestellt werden, wenn Argon abfließen kann. Dazu gibt es am Inverter eine Tastenkombination (siehe Bild).

 

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Bedienfeld des HT-180

 

Schweißstrom 1 und 2 einstellen, sowie alle anderen Parameter, wie Anlaufstrom (beim Start des Schweißvorganges), Endstromabsenkung (gegen Kraterbildung), Gasvor- und nachströmzeit. WIG-Elektrode einspannen und Brennerfunktion prüfen (Schalter kurz antippen).

 

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alles angeschlossen und eingestellt

 

Schweißen

Der Rest ist relativ einfach (nach etwas üben). Werkstücke müssen sehr sauber sein (kein Öl, kein Dreck, kein Rost, entgratet) und dann geht’s los:

  • Werkstücke ohne Spalt aneinander bringen und fixieren (Masserverbindung an beide Stücke).
  • Elektrode bis kurz vor Werkstück (2-3mm) und durch Brennertaste zünden. Ich habe den Brenner so eingestellt, dass ich zünden muss und dann der Lichtbogen stehen bleibt, bis ich wieder die Taste betätige.
  • Es entsteht ein Schmelzbad – quasi ein kleiner flüssiger Fleck.
  • Genau dann wird Zusatzwerkstoff zugeführt (manchmal ist dies je nach Naht nicht notwendig – z.B. bei stumpfgeschweißten Blechen, die hochkant stehen). Es verflüssigt sich ein Stück vom Schweißdraht und ein Tropfen „fällt“ in den flüssigen Fleck. Anfangs evtl. immer Stück für Stück den Schweißdraht zuführen, also Tropfen für Tropfen. Später kann man dass auch in einem Zug.
  • Am Nahtende Brenner abschalten, Gasstrom noch auf der heißen Naht belassen und nach Abschalten des Gasstromes ist alles erledigt. Die Naht muss nicht verputzt werden, wenn man sauber gearbeitet hat.

 

Man kann von links oder rechts schweißen – beides geht.

 

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beim Schweißen

 

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die links geschweißte Naht

 

Fazit: Auch nach 6 Jahren Einsatz immer noch ein super Gerät.

 

Hier meine allererste Übungsnaht mit dem Gerät (2008). Nach 20 Jahren Schweißabstinenz gelang es sofort die Bleche zu verschweißen. Habe früher aber schon autogen und elektrisch geschweißt.

 

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allererste Naht mit Fehlern und Kratern 😉

 

Hier habe ich einige Beispiele für geschweißte Sachen:

 

Hier kann man eine Kurzanleitung zum Thema Kupfer löten finden.

 

  2 comments for “Schweißen WIG

  1. Urs Küpper
    5. Februar 2017 at 17:54

    Moin moin, gratuliere zu Deinem Blog.Unfassbar vielseitig und informativ.Habe mir einige Beiträge durchgelesen und bin begeistert.Endlich mal einer der nicht den Supermario raushängen lässt und andere an seinen Erfahrungen teilhaben lässt.
    Ps.: Zum anschleifen der Wolframstäbe solltest Du erwähnen ,das der Schleifstaub “ Lungengängig “ und zum Teil hochtoxisch sein kann.
    Gruß Urs

    • vesab
      5. Februar 2017 at 21:51

      Hi Urs, danke! Ja das werde ich mal machen. Einige Spitzen sollen ja auch sehr unschöne Materialien drin haben. cu Tom

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